Erstberatung

Schnellübersicht

Wenn man sich an einen Anwalt wendet, spielen vor Allem drei Fragen eine entscheidende Rolle:

  1. Lohnt es sich?
  2. Was kostet es?
  3. Wer trägt die Kosten?

Eine Antwort darauf heißt Erstberatung.
Sie kann dem Mandanten oft Auskunft auf diese Fragen geben, und ihm damit eine Entscheidungsgrundlage für sein weiteres Vorgehen zur Verfügung stellen.

Die Erstberatung kann in mündlicher oder schriftlicher Form als erster Rat erfolgen.
Sie setzt voraus, dass der Mandant dem Anwalt die wichtigsten Fakten zu seinem Anliegen zur Verfügung stellt, und bereit ist, eine vereinbarte Gebühr dafür zu entrichten.

Unterlagen sollten dabei nicht im Original ausgehändigt werden, sondern als Kopie, pdf-Datei oder per Telefax. Sie sollten dem Anwalt ein möglichst umfassendes Bild der Ausgangssituation und der Zielsetzung des Mandanten verschaffen.

Die Gebühr für die Erstberatung von Verbrauchern ist gesetzlich auf maximal EUR 190,– zzgl. MwSt. und Auslagenpauschale festgelegt.
Ein höherer Betrag ist nur mit Zustimmung des Mandanten möglich.
Eine Beratungspflicht des Anwalts zu diesem Satz besteht andererseits nicht.

Eine Anfrage bei der Rechtsschutzversicherung (soweit vorhanden und geeignet) wegen der möglichen Kostenübernahme ist in jedem Fall sinnvoll: Auch die Versicherung wird sich für die kompletten Unterlagen (in Kopie) und eine ausführliche Beschreibung interessieren.

Eine ausführliche Darstellung zum Thema Erstberatung finden Sie nachfolgend.

Erstberatung – Detailübersicht

Was hat der Mandant von einer „Erstberatung“ zu erwarten?
Vielfach stellt sich für den Mandanten die Frage, wie er kostengünstig zu einem ersten Rechtsrat durch einen (hoffentlich) kompetenten Anwalt gelangt. Das Schlüsselwort heißt „Erstberatung“.
Dahinter verbirgt sich ein (mündlicher oder schriftlicher) erster Rechtsrat eines Anwalts auf Basis des zu diesem Zeitpunkt bekannten Sachverhalts. Eine Erstberatungsvergütung gibt es im übrigen auch nach dem Gebührenrecht der Steuerberater.

Dabei gilt es für den Mandanten zu beachten, daß der Zeitansatz für die Erteilung der Erstberatung regelmäßig einen Tätigkeitsumfang bis zu 60 Min. bedeutet: Daher wird sich die Ratserteilung vom Umfang und der Prüfungsintensität her im Rahmen dieses Zeitfensters bewegen. Der Mandant ist deshalb gut beraten, wenn er dem Rechtsanwalt vorab den Sachverhalt (möglichst schriftlich) aufbereitet und Unterlagen (möglichst in Kopie) zur Verfügung stellt. Zur Klarstellung: Es handelt sich um einen ersten Rechtsrat, so daß z.B. ein anschließendes, weiteres Gespräch davon nicht mehr umfasst ist.

Sachverhaltsbeschaffung:
In der Regel ist es wichtig, dass der Mandant die Originale seiner Unterlagen behält und seinem Anwalt nur Kopien bzw. Ablichtungen (beispielsweise als PDF-Dateien) zur Verfügung stellt: Anders ist es nicht möglich, dass auch der Mandant in der Lage ist, die Arbeit des Anwalts vollständig zu kontrollieren. Im Bild gesprochen sollte Ihr Anwalt mit Ihnen „Hand in Hand durchs Feuer gehen“. Behält der Mandant siene Original-Unterlagen, so bleibt er in der Lage, jederzeit seinen Anwalt zu wechseln zu können, ohne befürchten zu müssen, dass aus Unkenntnis eine Frist versäumt wird.

Sinnvoll ist es, wenn es zu den Unterlagen einen schriftlichen Bericht der Ereignisse gibt, so dass der Sachverhalt aus dem Blickwinkel des Mandanten vollständig dokumentiert ist. Salopp formuliert: Der Rechtsanwalt ist kein ausgebildeter „Hellseher“ und daher auf die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Mandanten angewiesen.

Was kostet eine Erstberatung?
Eine übliche Berechnung der Rechtsanwaltsvergütung erfolgt nach dem sogenannten „Gegenstandswert“. Dies gilt grundsätzlich auch für die Erstberatung. Für einen „Verbraucher“ hat der Gesetzgeber die Erstberatungsgebühr jedoch nach oben auf EUR 190,00 zuzügl. MwSt und Auslagenpauschale (Ziff. 2102 RVG-VV) gekappt. Mehr darf der Anwalt gegenüber einem „Verbraucher“ ohne gesonderte Vereinbarung für diese spezielle Leistung nicht verlangen: Jedoch ist der Anwalt nicht verpflichtet, das Erstberatungsmandat zu diesem – vergleichsweise – geringen Vergütungssatz anzunehmen.

Tipp: Die Frage nach der Vergütung sollten Sie mit Ihrem Anwalt offen besprechen, damit das Vertrauensverhältnis keinen Schaden nimmt und auch nach Ihrem Eindruck Leistung und Gegenleistung bzw. Schwierigkeiten der Angelegenheit und Honorierung in einem angemessenen Verhältnis stehen.

Der Mandant muß wissen, daß er mit einer Erstberatung eine kalkulierbare Möglichkeit erhalten kann, seine Angelegenheit von einem fachkundigen Rechtsanwalt einmal anschauen zu lassen. Auf Basis dieses ersten Rechtsrats kann der Mandant dann entscheiden, ob er die Sache weiter – rechtlich begleitet – vorantreiben will. Allerdings darf er auch nicht erwarten, dass seine Probleme ad hoc mit Erstattung einer mündlichen oder schriftlichen  Erstberatung gelöst sind. Eine Erstberatung bedeutet also nicht die Anfertigung eines Schreibens, Schriftsatzes, einer Vertragsklausel bzw. die Prüfung von Prozessaussichten.

Die Erstberatung soll dem Mandanten vielmehr Anhaltspunkte für die Frage liefern, ob weitere, qualifizierte anwaltliche Rechtsdienstleistungen sinnvoll oder notwendig erscheinen.

ARD-Ratgeber Geld v. Sonntag, 23. Juni 1996, 17:00 Uhr

(Vervielfältigung durch Rechtsanwalt Johannes Fiala, MBA – München mit freundlicher Erlaubnis der Wirtschaftsredaktion des Bayerischen Fernsehens)
Quellen-Angabe: http://www.br-online.de/

Erstberatungs-Honorar für Rechtsanwälte
Seit 01.07.1994 dürfen Rechtsanwälte ihren Mandanten für eine sogenannte ‚Erstberatung‘ höchstens DM 350,-/ EUR 190,- zuzügl. Auslagenpauschale zuzügl. Mehrwertsteuer berechnen – so steht das in § 20 der BRAGO / neu: Ziff. 2102 RVG-VV, der Gebührenordnung für Rechtsanwälte. Für den Ratsuchenden kann diese Regelung einen erheblichen Vorteil bringen, denn grundsätzlich berechnen Anwälte ihre Gebühren nach dem sogenannten Streitwert. Ist zum Beispiel eine Immobilie im Wert von EUR 400.000,- Gegenstand der Beratung, liegt die Anwaltsgebühr zwischen EUR 264,- und EUR 2642,-. Für die erste Beratung wird diese Gebühr bei maximal DM 350,-/ EUR 190,- netto gekappt.

Maximal bedeutet: Ergibt sich nach dem Streitwert laut BRAGO / RVG eine Gebühr unter netto DM 350,-/ EUR 190,-, so darf der Anwalt nur die geringere Gebühr verlangen. Wird aus der Erstberatung dann ein ‚Fall‘, den der Anwalt weiter bearbeiten soll, so wird die Erstberatungsgebühr auf das ihm dann zustehende Honorar angerechnet. Erstberatung heißt: Der Ratsuchende wendet sich wegen eines Problems zum ersten Mal an den Anwalt. Die Gebührenbegrenzung dafür soll helfen, die Gerichte zu entlasten. Der rechtzeitige Anwaltsbesuch, durch den möglicherweise ein Prozess vermieden werden kann, soll nicht aus Angst vor hohen Gebühren unterbleiben. Meinungsverschiedenheiten gibt es darüber, was ein Ratsuchender von einer Erstberatung erwarten darf. Der Gesetzgeber hat es versäumt, Richtlinien festzulegen.

Der Vorsitzende der Gebührenreferenten-Konferenz der Bundes-Rechtsanwaltskammer, Dr. Christoph v. Heimendahl, vertritt die Ansicht: Bei einer Erstberatung könne es sich nur um einen relativ einfachen Rat handeln, die Sache müsse nach ca. einer Stunde erledigt sein. Der Rat könne sowohl mündlich als auch schriftlich erteilt werden, und er müsse selbstverständlich richtig sein. Der Anwalt müsse dafür haften. Genaueres müsse aber erst die Rechtsprechung vorgeben.

Der Rechtsanwalt ist übrigens nicht verpflichtet, eine Erstberatung zum entsprechenden Gebührensatz zu erteilen. Er kann einfach ablehnen – das muss er dem Mandanten aber unmissverständlich vor Beginn des Beratungsgespräches sagen.

Sie haben hier die Möglichkeit, sich im Vorfeld zu informieren, uns Ihr Anliegen zu schildern oder eine unabhängige Kostenanfrage anzufordern.

Beachten Sie bitte dabei, vertrauliche Informationen nicht per Formular sondern per Fax oder auf postalem Wege an uns zu schicken.

Erstberatung – einfacher Rat oder umfassendere Beratung?

Wegfall der (gesetzlichen, nicht der üblichen) Beratungsgebühr(en) seit 01.07.2006
Seit 01.07.2006 sollen Anwälte und Steuerberater regelmäßig von Anfang an eine Vereinbarung über die Höhe der Vergütung abschließen (Vergütungsvereinbarung). Ohne eine entsprechende Vereinbarung beträgt die Gebühr (jeweils nur bei Verbrauchern) für die Ausarbeitung eines schriftlichen Gutachtens höchstens 250 Euro (netto, also zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer) bzw. für ein erstes Beratungsgespräch (persönlich oder fernmündlich) höchstens 190 Euro (netto, zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer). Gerade bei komplexen Rechtsangelegenheiten und/oder umfangreichen Unterlagen können für eine erste Einschätzung (Beratung) mehrere Stunden an Zeitaufwand für die Bearbeitung nötig sein. Wie könnte sich ein Mandant vor möglicherweise „immensen Honorarkosten“ schützen?

Zunächst sollte der (künftige) Mandant von seinem Anwalt ein Angebot für beispielsweise eine erste Analyse seiner Rechts- oder Steuerangelegenheit einholen. Dafür benötigt der Rechtsanwalt zunächst die zugehörigen Unterlagen und eine genaue (möglichst chronologische bzw. historisch gestaltete) schriftliche Fallschilderung. Die Erfahrung hat gezeigt, dass dadurch Missverständnisse vermieden werden („wer schreibt, der bleibt) und dass (auch) der Berater etwa siebenmal schneller liest – im Vergleich zu einem gesprächsweisen Austausch. Je gründlicher (und vollständiger) die Unterlagen aufbereitet sind, desto weniger (Zeit-)-Aufwand wird anzusetzen sein bzw. desto zielführender wird die anschließende Bearbeitung sein können. Letztlich wird auch diese Beratung das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Mandant und Berater sein.

Das Wichtigste zum Schluss: Die Sicht des „jurischen Laien“ ist oft besonders wichtig und zielführend. Auch Nebensächlichkeiten können bei der Suche nach einer Fall-Lösung größte Bedeutung erlangen. Im Zentrum stehen stets die Fragen, Wünsche, Ziele und Vorstellungen des Mandanten. Diese in einem Anschreiben, Telefax oder einer eMail zu formulieren ist oft die zentrale Basis einer guten Beratung.