VSH Gruppenverträge – Vertriebe und Vermittler aufgepasst!

16.06.2006 (wmd) Seit den letzten Informationen über den
Referentenentwurf über die Umsetzung der EU-VRL, die nun auch in
Deutschland unmittelbar vor der Umsetzung steht, häufen sich die
täglichen Anfragen zum Thema Vermögensschaden-Haftpflicht bei RWB.
Dabei ist bei vielen Marktteilnehmern der gleiche Wunsch an forderster
Stelle: die Policen sollen mög-lichst günstig sein. Firmen, Organisationen
und Gruppen fragen dabei auch nach Gruppenverträgen. Diese erfüllen
aus unserer Sicht jedoch i. d. R. nicht die Vorgaben der EUVermittlerrichtlinie
(EU-VRL). Mitunter beinhalten sie z. T. sogar massive
Nachteile für Vertriebsunternehmen und deren Vermittler.
Um das Thema von mehreren Seiten möglichst neutral zu beleuchten,
haben wir neben unseren Ausführungen auch um die Meinungen des
Kollegen John als VSH-Spezialisten, des Rechtsanwaltes Fiala als
erfahrenen Profi und Kenner des Marktes gebeten sowie einige Graphiken
zur Verdeutlichung der Problematik eingefügt, und ein Zitat aus einem
Bericht der e+s Rück beigefügt.
Die graphischen Beispiele sind musterhaft aus verschiedenen Angeboten
der Vergangenheit anzusehen. Sie dienen lediglich der Darstellung und
Verdeutlichung der Thematik.
Zunächst die Stellungnahme von Thorsten Rehfeldt – Hans John
Versicherungsmakler GmbH
„Berufshaftpflicht-Versicherung als Mitversicherung über eine
Vertriebsgesellschaft“
Warum empfiehlt sich weder für die Vertriebsgesellschaft ein
Gruppenvertrag noch für die dort angeschlossenen Vertriebspartner? Als
seriöse Vertriebsgesellschaft sollte man im Wissen der künftigen EURegularien
nicht mehr auf Gruppenverträge ausweichen. Einerseits wäre
eine etwa enthaltene Gesamtmaximierung ohnehin nicht EU-konform im
Sinne des Referentenentwurfs vom 24.3.2006 und andererseits wird den
angeschlossenen Vertriebspartnern möglicherweise existenzieller Schaden
in Form fehlender Versicherungsdeckung zugeführt, denn es gibt bereits
heute Versicherer, die im Sinne der Anrechnung von
Vorversicherungszeiten nur Vorversicherungen anrechnen, wo der
Antragsteller auch Vertragspartner, sprich Versicherungsnehmer war. Bei
Gruppenverträgen ist hingegen zumeist nur ein einziger
Versicherungsnehmer (VN) anzutreffen, nämlich die Person, Firma oder
Institution die eben die „Gruppe“ unterhält. Beispiel: Ein Versicherter ist 5
Jahre über einen Gruppenvertrag „mit“-versichert. Nun muss oder
möchte sich der Versicherte selbst versichern, weil er vielleicht nicht mehr
der „Gruppe“ zugehörig ist oder aus sonstigen Gründen wechseln möchte
oder muss. Im Rahmen der Nachhaftung hat er jetzt noch eine begrenzte
Anzahl von Jahren Deckung für die sog. „Altlasten“, sprich für
Pflichtverletzungen (Verstöße) die während der Mitversicherung über den
Gruppenvertrag begangen wurden. Ist die Nachhaftungszeit aber
abgelaufen und folgt erst dann eine Schadenmeldung zu einem
(möglichen) Verstoß aus der Zeit als Mitversicherter, besteht nur
Versicherungsschutz wenn der neue Versicherer bedingungs- und
vertragsgemäß hierfür einzutreten hat, was wie bereits gesagt, nicht
immer der Fall ist. Somit hat die Vertriebsgesellschaft dem
Vertriebspartner möglicherweise einen „Bärendienst“ erwiesen, der
diesem je nach Schadenhöhe die gesamte Existenz kosten kann.
Weitere Nachteile ergeben sich aus den zumeist gar nicht ausreichend
geregelten Aspekten wie „Oblie-genheitsverletzungen“, „Regressverzicht“
oder auch der „Prämienzahlungspflicht“. Ist beispielsweise genau geregelt
was passiert, wenn der Versicherte einen Schaden bei dem VN
ordnungsgemäß anzeigt, dieser aber die Weiterleitung versäumt? Und hat
die Vertriebsgesellschaft bzw. der „Gruppen-VN“ die
Prämienzahlungspflicht seitens der Versicherten geregelt oder wie soll ein
Mahnverfahren durchgeführt werden, wenn nur eine „Mitversicherung“,
also kein originärer Vertrag zu Grunde liegt? Dieses wiederum kann sich
negativ für den Gruppen-VN auswirken, denn wenn keine
entsprechenden Vorkehrungen vereinbart sind, gelten eben die
gesetzlichen Bestimmungen, wonach der Versicherungsnehmer (hier der
Gruppen-VN) für die Prämie haftet…
Wir empfehlen daher sowohl den Vertriebsgesellschaften wie auch den
Vertriebspartnern auf rechtlich selbstständige Verträge zurück zu greifen,
zumal diese bspw. im Rahmen von „Untervermittlerdeckungen“ ebenfalls
zu Sonderkonditionen möglich sind und hier Nachlässe bis zu 50%
eingeräumt werden.
Vertriebsgesellschaften werden mindestens mittelfristig umdenken
müssen, wollen sie nicht die begehrten und gewollten Vertriebspartner
auf Grund der Tatsache verlieren, dass man sie hier ins offene Messer hat
laufen lassen.
Die fehlende Deckung die auch in der Stellungnahme von Herrn Fiala
beschrieben ist, kann sich je nach Gestaltung des Vertrages (Beispiel in
der Grafik) unterschiedlich darstellen. Für 100 Vertriebsmitarbeiter wird in
dem Beispiel eine begrenzte Haftung auf z. B. 20 Mio. € Deckung
gewährt, anstelle der benötigten Gesamtdeckung von 100 Mio. € über
alle Versicherten. Die Unterdeckung ist nach unserer Ansicht in so einem
Vertrag im Grunde genommen schon ab dem 21ten Mitarbeiter gegeben.
Wer das Thema konsequent hinterfragt, kann erkennen, dass die Prämien
und Leistungen auseinander laufen (Grafik 2). In dem Beispiel hat das
Unternehmen für 100 Mitarbeiter ca. die Hälfte an Prämie aufzuwenden,
erhält dafür aber nur 20% der benötigten Leistung, gegenüber den 100
Mitarbeiter mit Einzelpolicen, welche die geforderten Vorgaben und
Deckungssummen nach der EU-VRL erfüllen.
In der dritten Grafik 3 wird dann deutlich, was bei den beiden
unterschiedlichen Verträgen im Schnitt für 1 Mio. € Deckungssumme in
Wirklichkeit bezahlt wird. Die Prämie für die Einzelpolice für jeden
Untervermittler (Makler) liegt bei ca. 480,00 €. Für die begrenzte
Gesamtdeckung im Gruppenvertrag wird quasi pro Mio. Deckungssume
1.275 € bezahlt. Das verständliche Ansinnen Geld zu sparen, wird durch
die Vertragskonstellation nicht nur torpediert, sondern durch die
Leistungsbegrenzung in ein negatives Verhältnis umgekehrt.
Vermittler, die aus einem Gruppenvertrag ausscheiden, bei dem Sie keine
eigene Police hatten und bei der die Deckungssummen insgesamt
begrenzt waren, haben das Problem im Nachgang die gewünschte
Rückwärtsdeckung für die bisherige Zeit vom neuen Versicherer bestätigt
zu bekommen. Von daher ist es ratsam, dass Vertriebsunternehmen und
Mitarbeiter heute schon darauf achten, sich möglichst optimal mit
Einzelpolicen mit entsprechend ausreichendem Schutz einzudecken.
Hier geht es direkt zur anwaltlichen Stellungnahme von Herrn
Rechtsanwalt Fiala
Hier das erwähnte Zitat von e + s Rück:
In seiner Umsetzung der Deckungsvorsorgepflicht hat Michael Bantje von
der e + s Rückversicherung zum Thema Rahmen- und Gruppenverträge
geschrieben:
„Fraglich ist, in wieweit eine nationale Umsetzung von jedem
Versicherungsvermittler den Abschluss einer eigenen
Haftpflichtversicherung verlangen wird. Im Bereich der Berufshaftpflicht-
Versicherungsmodelle für Rechtsanwälte und Steuerberater lässt der
Wortlaut der § 51a BRAO und § 67a StBerG keine andere Möglichkeit zu,
als dass jeder einzelne der Berufsgruppe eine eigene Berufshaftpflicht-
Versicherung abzuschließen hat. In Ausnahmefällen werden bei größeren
Sozietäten aus administrativen Gründen Rahmenabkommen vereinbart.
Unter vertragstechnischen Gesichtspunkten unterhält jeder Partner der
Sozietät aber einen eigenständigen Versicherungsvertrag, aus dem sich
entsprechend gegenseitige Rechte und Pflichten ableiten lassen. Aus
diesem Grund kann der Rechtsanwalt bzw. Steuerberater ohne weitere
Restriktionen voll die vereinbarte Deckungssumme aus seinem
Versicherungsvertrag beanspruchen. Sollten Regelungen in einer
VersVermVO gleichfalls vorsehen, dass jeder einzelne Vermittler eine
eigene Police vorzuhalten hat, ist die weitere Zulässigkeit von
Rahmenverträgen im Versicherungsvermittler-Bereich zu bezweifeln.“
Die wichtigsten Punkte, die Sie bei Ihren Entscheidungen beachten
sollten, wurden heraus gearbeitet und in der unten stehenden übersicht
zusammengefasst.
Tipp der RWB Finanz
Auf Grund der aufgeführten Brisanz und Komplexität des Themas raten
wir zur überprüfung von bestehenden Gruppenverträgen. Auch bei der
Gestaltung von neuen VSH-Verträgen, vor allem bei mittleren und
größeren Organisationen, sollten Sie unbedingt einen erfahrenen VSHMakler
hinzuziehen. Achten Sie vor allem auf ausreichende ausgestaltete
Einzelpolicen. Gerne unterstützen wir Sie bei der optimalen Gestaltung
von speziellen Deckungskonzepten für sich und Ihr Unternehmen.

(www.brokerchannel.de am 16.06.2006)

Möchten Sie mehr Informationen oder suchen Sie juristische Beratung / Beistand? Vereinbaren Sie Ihren persönlichen Termin bei uns oder nutzen Sie unseren Rückrufservice.

Hier Kontakt aufnehmen

(Das erste Telefonat über Ihr Anliegen erfolgt unentgeltlich)