Treuhandstiftung als fortschrittliche und flexible Lösung für Zahnärzte

Verdopplung der Steuervorteile bei Ehepaaren
von RA Dr. Johannes Fiala* und Frank M. Strobelt**
MüNCHEN/BERLIN – Mittelständische Unternehmer, darunter viele ärzte, Zahnärzte und Apotheker, sehen sich derzeit einer Vielzahl von Problemen ausgesetzt, für die dringend effiziente Lösungen benötigt werden. Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung stehen in den nächsten Jahren über 300.000 Familienunternehmen vor dem Eigentümerwechsel. Schätzungsweise bei ca. 40 % aller Fälle gibt es keinen geeigneten Nachfolger aus dem Familienkreis bzw. keine Nachkommen. Weiterhin ist aufgrund der verschärften Bankenauflagen (Basel II) und damit verbundener Einschränkungen bei der Kreditvergabe die Liquiditätssituation beim Mittelständler auf das äußerste angespannt. Außerdem haben Inhaber von Praxen und Apotheken mit Einnahmenausfällen zu kämpfen, oder sie denken an eine frühzeitige Praxisaufgabe, die auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen sind. Für viele war bis vor einigen Jahren das Thema „Stiftung“ tabu und wurde mit dem Engagement von Großunternehmen wie der Otto Bayer Stiftung (Bayer AG!!!!), der Schering Stiftung, der Robert-Koch-Stiftung, der Albert Schweizer Stiftung oder der Geschwister Boehringer Ingelheim Stiftung für Geisteswissenschaften in Verbindung gebracht. Das hat sich aber seit der Stiftungsreform des Jahres 2000 „Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung von Stiftungen“ geändert.Weitere positive Impulse für das Stiftungswesen sind durch das kürzlich verabschiedete 10-Punkte- Programm der Bundesregierung zu sehen. Mit dem 400 Millionen Euro Förderpaket möchte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück auch gemeinnützige Stiftungen unterstützen. Erhöhung der Liquidität des Mittelständlers über gemeinnützige Treuhandstiftung Die Abzugsfähigkeit von Zuwendungen an gemeinnützige Stiftungen vom zu versteuerndem Einkommen ist nun gerade für Mittelständler noch attraktiver: Aufgrund eines Urteils des Bundesfinanzgerichtshofs vom August 2005 sowie dem Erlass des Bayerischen Landesamtes für Steuern im vergangenen Jahr, der bundesweite Gültigkeit hat, können Ehegatten, die gemeinsam veranlagt sind, den doppelten Betrag für Zuwendungen in den Vermögensstock einer gemeinnützigen Stiftung steuerlich geltend machen. Der Gründungshöchstbetrag steigt bei Verheirateten somit von 307.000 € auf 614.000 €. Der Gründungshöchstbetrag kann einmal in 10 Jahren als Sonderausgabe von der Steuer abgesetzt werden, wenn eine solche Stiftung innerhalb von 12 Monaten mit entsprechenden Vermögenswerten ausgestattet wird. Weiterhin kann der Stiftungshöchstbetrag, der auf Grundlage des Erlasses unter Umständen von 20.450 € auf 40.900 € steigt (siehe Berechnung) in Anspruch genommen werden. Vermögenswerte wie z.B. Immobilien, Wertpapiere, Kunstwerke oder Bargeld können der gemeinnützigen Treuhandstiftung zugewendet werden. Nachfolgeregelung über Doppelstiftung lösen Die Doppelstiftung, die zu den unternehmensverbundenen Stiftungen zählt, ist als zeitgemäßer, intelligenter Baustein zur Lösung für das Nachfolgesowie Altersversorgungsproblem zu sehen. So kann zum Beispiel auch ein Zahnarzt einen Großteil der im Privatbesitz befindlichen Immobilien, Wertpapiere, Kunstwerke oder Bargeld steuerneutral in eine gemeinnützige Treuhandstiftung übertragen. Die Familienstiftung regelt die Versorgung der Familienmitglieder und bestimmt auch über den Tod des Gründers hinaus über die Gesellschafterversammlung die Geschicke des Unternehmens. Die Leitung des Unternehmens wird ab einem bestimmten Zeitpunkt auf qualifizierte Fremdgeschäftsführer übertragen. Die gemeinnützige Treuhandstiftung ist in der Ruhestandsphase eines Menschen, so Andreas M. Bosl, Inhaber des Mittelstands-Beratungs-Dienstes (MBD) in Pöcking, als ideales Betätigungsfeld zu sehen. Diese kann sich gemeinnützigen Aktivitäten wie Förderung des Sports, der Bildung, der Kultur weltweit widmen. Die oftmals damit verbundenen öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen stärken zusätzlich das Ansehen und Kerngeschäft des eigenen Unternehmens. Gemeinnützige Treuhandstiftung als neuer Arbeitgeber und Versorgungsinstrument Für Inhaber mittelständischer Betriebe ist es möglich, unabhängig von der beschriebenen Doppelstiftung, ab einem gewissen Zeitpunkt im festen Angestelltenverhältnis für die eigene gemeinnützige Treuhandstiftung tätig zu sein, um aktiv den Stiftungszweck im In- und Ausland zu erfüllen. Beschäftigungslose Zeiten im eigenen Unternehmen können so geschickt überbrückt werden, gibt Stiftungsexperte Andreas M. Bosl vom MBD zu verstehen. Diese Variante ist auch für Personenkreise interessant, die ab einem bestimmten Zeitpunkt aus gesundheitlichen Gründen körperliche Tätigkeiten, zum Beispiel als Zahnarzt, nicht mehr ausführen können. Gesetzlich geregelte und in den Stiftungsstatuten festgelegte Unterhaltszahlungen für den Stifter oder seiner Angehörigen sind eine Alternative zum aufgezeigten Beschäftigungsmodell im Gemeinnützigkeitssektor. Treuhandstiftung oder rechtsfähige Stiftung? Die rechtsfähige Stiftung ist eigenständiger Träger von Rechten und Pflichten. Zur Gründung der Stiftung als juristische Person sind 2 Vorgänge notwendig: das Stiftungsgeschäft und die staatliche Genehmigung. Mit der Genehmigung durch die zuständige Aufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes erlangt die Stiftung die Rechtsfähigkeit. Danach wird die rechtsfähige Stiftung von dieser Behörde beaufsichtigt. Im Gegensatz zur rechtsfähigen Stiftung benötigt die Treuhandstiftung keine eigene Organisation. Die treuhänderische Verwaltung wird durch eine juristische Person wahrgenommen, die normalerweise aufgrund eines geschlossenen Treuhandvertrages und der Satzung nach außen vertritt. Die gemeinnützige Treuhandstiftung bedarf im Gegensatz zur rechtsfähigen Stiftung nur der Prüfung bezüglich der Gemeinnützigkeit durch das zuständige Finanzamt. Die rechtsfähige Stiftung wird in Deutschland gleich von 2 Behörden überwacht: dem Finanzamt und der Stiftungsaufsichtsbehörde. Die treuhänderische, auch unselbstständige Stiftung genannt, ist gerade für den Mittelständler die flexiblere und gleichzeitig die ältere Grundform der Stiftung. Treuhandstiftungen haben eine mehr als tausend Jahre umfassende Geschichte in Deutschland. Treuhandstiftungen können recht schnell errichtet werden. Innerhalb von einem Monat kann die Gründung erfolgen, in Ausnahmefällen in wenigen Tagen. Die damit verbundene Zuerkennung der vorläufigen Gemeinnützigkeit hängt vom Arbeitsaufkommen des zuständigen Finanzamtes ab. Zieht man einen Vergleich zwischen rechtsfähiger und treuhänderischer Stiftung, so wird in den meisten Fällen die treuhänderische Stiftung aufgrund folgender Vorteile vorgezogen: – langwierige behördliche Genehmigungsverfahren entfallen – eine staatliche Aufsicht über die laufende Stiftungstätigkeit ist nicht gegeben; dafür bestehen Kontrollmechanismen durch die Finanzbehörde und durch Stiftungsgremien, die der Stifter selbst bestimmen kann – der Kapitalzu- und -abfluss kann vom Stifter flexibler geregelt werden, je nach Einnahmesituation des Stifters – es ergeben sich Kostenvorteile sowohl bei der Gründung als auch beim laufenden Betrieb der Stiftung – die Satzung einer treuhänderischen Stiftung kann, im Gegensatz zur rechtsfähigen Stiftung, ohne Schwierigkeiten den ak- tuellen Gegebenheiten angepasst werden – die gesamte Administration der Stiftung kann der Stifter auf den Stiftungsträger übertragen und sich auf die Erfüllung des Stiftungszwecks konzentrieren. Trotz der zahlreichen Vorteile, die die Treuhandstiftung gegenüber der rechtsfähigen Stiftung hat, gibt es hierzu wenige Berater, die die Vorteile dieser Rechtsform in kompetenter Weise Stiftern unterbreiten können und die regelmäßige Errichtung von Treuhandstiftungen im In- und im Ausland begleiten. Grenzüberschreitende Stiftungskonstruktionen lassen sich nur mit Expertenteams verwirklichen, die auch Erfahrung in der praktischen Umsetzung haben. Zu einer qualifizierten Beratung bezüglich der Treuhandstiftung gehört unter anderem interdisziplinäres Denken, da neben dem Zivilrecht das Steuerrecht im Besonderen berücksichtigt werden muss. Nur wer sich mit beiden Rechtsformen aktiv auseinandergesetzt hat, kann beurteilen, in welchen Fällen die Treuhandstiftung für den Stifter als vorteilhaft erscheint.
(Dental Tribune 5/2007, 10)
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