Vorsorgen für Unfall oder plötzlichen Tod

Hohe Belastungen für Angehörige und Unternehmen besser frühzeitig vermeiden
Für äußerst vermögende Kunden, die „High-net-worth“- Investoren und die „Family Offices“, geht es bei den Vermögensfragen um Substanzerhaltung und gezieltes Vermögenswachstum. Dazu gehört auch eine Planung der Vorsorge und des Generationenwechsels, auch für den Fall eines Unfalls oder plötzlichen Todesfalls. Damit frühzeitig geklärt ist, wie es weitergehen soll. Doch im Mittelstand, der weitaus größeren Unternehmergruppe mit allein in Deutschland weit mehr als drei Millionen Betroffenen, gibt es beträchtliche Defizite. Die Folge ist nach Expertenmeinung, dass alljährlich rund 24.000 Betriebe nicht weiter geführt werden. Auf einem ganz anderen Blatt stehen mehr als 35.000 Betriebe, deren Bestand durch Insolvenz endet, oft ebenfalls ohne wirksamen Vermögensschutz in der Altersversorgung.
Der Unternehmer als Komapatient
Für diesen tragischen Fall vorzusorgen, ist nicht jedermanns Sache – eine Patientenverfügung kann nachträglich als wünschenswert erkannt werden. Auch Vollmachten zur Vorsorge für den Betriebs- und Privatbereich gehören hierher. Besonderheiten gelten beim Umgang mit Banken, die nicht jedes beliebige Formularmuster akzeptieren. Soll die Möglichkeit der Kreditaufnahme bei Bedarf gegeben sein, sind ebenfalls Formvorschriften zu beachten. Ist nichts geregelt, kann es Monate dauern, bis ein sogenannter Betreuer eingesetzt wird – und bis dahin entsteht zumeist bereits ein erheblicher Schaden für das Vermögen.
Der Unternehmer ohne wirksames Testament
Schreibt der Unternehmer seinen letzten Willen mit der Schreibmaschine, so kann dies genügen, dass mit dem Todesfall eine Erbengemeinschaft entsteht, die über alles und jedes nur gemeinsam entscheiden kann – für die meisten Unternehmen tritt dann Stillstand ein, praktisch der Beginn eines Niedergangs und der Auslöser für Verluste. Auch das beliebte Berliner Testament, in welchem sich Ehegatten gegenseitig zu Erben einsetzen, ist in fast allen Fällen steuerlich von Nachteil.
Der Unternehmer mit Auslandsvermögen
Besonders delikat wird es, wenn Vermögen im Ausland ins Spiel kommt. Dabei geht es oft nicht nur um Steuerfragen, sondern auch vor allem darum, welches Erbrecht anwendbar ist, damit der letzte Wille auch dort wirksam sein kann. Hier können sich Lösungen und Gestaltungen über Stiftungen und Trusts anbieten. Damit lässt sich die Abwicklung im Todesfall massiv vereinfachen – aber eben nur, wenn man vorher dran gedacht hat.
Der Unternehmer mit minderjährigem Kind
Es kommt vor, dass die Ehefrau Erbin wird und nach dem Todesfall alles versilbert, – noch bevor irgendein „Pfleger“ sich für die Kinder interessiert – und deren Pflichtteil. Wenn die Erbin das Vermögen schlecht anlegt oder Verluste erwirtschaftet, geht das Kind am Ende leer aus, noch bevor ein Pflichtteil aus dem Nachlass abgefunden und mündelsicher angelegt werden kann. Auch hier kann eine Testamentsvollstreckung mehr Sicherheit bieten.
Der Unternehmer mit zerstrittener Familie
Testamente können zu jahrelangen Rechtsstreiten führen – vor allem, wenn die Familie zerstritten ist. Treuhandlösungen im In- und Ausland, aber auch Testamentsvollstreckung sowie Familienstiftungen können hier Abhilfe schaffen. Allerdings wird es manchmal schwierig, den richtigen Berater zu finden, wenn der Steuerbevollmächtigte das infrage kommende nachlassrechtliche Instrumentarium in seiner Ausbildung nicht kennengelernt hat und vor allem bei Unternehmensoder Auslandsberührung des Vermögens längst an seine Grenzen stößt.
Hilfe im Notfall
Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, gibt es für Angehörige beim Unfall des Unternehmers – aber auch im Erbfall – zahlreiche Fallstricke. Oft wissen die Angehörigen nicht, wo Ermessensspielräume liegen oder wo Behörden sie unterstützen müssen. Die geeigneten Anträge bei Gericht und Behörden zu stellen, ist eine Möglichkeit, die Dinge in angenehmere Bahnen zu lenken, auch wenn es mit viel Arbeit verbunden sein kann. Ein typisches Beispiel ist die Haftungsbegrenzung für die Erben bei unübersichtlicher Vermögenslage. Ein Inventar zu errichten kann sehr schwierig sein – jedoch schützt es den Erben davor, wirtschaftlich am Ende nur Schulden zu erben. Oder es stellt sich die Frage, wie man „geerbte Schulden“ wieder loswerden kann. Gelegentlich möchte eine Witwe sicher gehen, dass erst mal alle Schulden bezahlt sind – auch dafür gibt es gesetzliche Lösungen. Auch solche Handlungsalternativen gehören im Einzelfall für die Vorsorgeunterlagen entwickelt und für die Angehörigen dokumentiert.
Rechtsanwalt Dr. Johannes Fiala, München
RA Dr. Johannes Fiala, München, ist als Mediator (Uni), MBA Financial Services (Uni Wales), MM (Uni), geprüfter Finanzund Anlageberater (A.F.A.), EG-Experte (C.I.F.E.), Lehrbeauftragter für Bürgerliches und Versicherungsrecht (University of Cooperative Education) sowie als Bankkaufmann (www. fiala.de) tätig.
(Die Zahnarzt-woche 43/2007, 27)
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