+++Heute schon gestiftet?

Treuhandstiftung als fortschrittliche und flexible Lösung für den Mittelstand

Der mittelständische Unternehmer
sieht sich derzeit einer
Vielzahl von Problemen ausgesetzt,
für die er dringend effiziente
Lösungen benötigt:
Nach Berechnungen des Instituts
für Mittelstandsforschung
stehen in den nächsten Jahren
über 300.000 Familienunternehmen
vor dem Eigentümerwechsel.
Schätzungsweise bei
circa 40 Prozent aller Fälle gibt
es keinen geeigneten Nachfolger
aus dem Familienkreis bzw.
keine Nachkommen. Weiterhin
ist aufgrund der verschärften
Bankenauflagen (Basel II) und
damit verbundener Einschränkungen
bei der Kreditvergabe
die Liquiditätssituation beim
Mittelständler auf das äußerste
angespannt. Außerdem haben
Inhaber mittelständischer
Betriebe oftmals mit Einnahmenausfällen
zu kämpfen, die
beispielsweise auf konjunkturelle
Auftragsrückgänge oder
auf vorzeitige Geschäftsaugabe
wegen gesundheitlicher Gründe
zurückzuführen sind. Die Finanzexperten
Frank M. Strobelt
und Dr. Johannes Fiala beschreiben,
inwieweit gemeinnützige
Stiftungen zumindest
teilweise, Abhilfe leisten können.
Für viele Mittelständler war
bis vor einigen Jahren das
Thema „Stiftung“ tabu und
wurde mit dem Engagement von
Großunternehmen wie Bertelsmann,
Henkel, Bosch oder Hertie
in Verbindung gebracht. Das hat
sich aber seit der Stiftungsreform
des Jahres 2000 mit dem „Gesetz
zur weiteren steuerlichen Förderung
von Stiftungen“ geändert.
Weitere positive Impulse für das
Stiftungswesen sind von dem neuen
„Gesetz zur weiteren Stärkung
des bürgerlichen Engagements“
zu erwarten, das noch vor der
Sommerpause vom Bundestag
verabschiedet werden soll. Der
Gesetzentwurf, der in einer ersten
Stellungnahme vom Bundesrat
im März überwiegend positiv bewertet
wurde, sieht die Vereinfa-
Sommerpause vom Bundestag
verabschiedet werden soll. Der
Gesetzentwurf, der in einer ersten
Stellungnahme vom Bundesrat
im März überwiegend positiv bewertet
wurde, sieht die Vereinfa-
Abzugsgrenze bei Spenden auf 20
Prozent der jährlichen Einkünfte
sind unter anderem deutliche Steuererleichterungen
für Stiftungsgründer
vorgesehen. Statt wie bisher
307.000 Euro können Stifter
nach dem Entwurf bis zu 750.000
Euro Gründungskapital als Sonderausgaben
steuermindernd bei der
privaten Steuererklärung ansetzen.
Der erhöhte Gründungshöchstbetrag
steht dann bei zusammen veranlagten
Eheleuten jedem Ehepartner
getrennt zu. Nach dem Beschluss
des Bundeskabinetts treten
die vorteilhaften Regelungen
rückwirkend in Kraft.

Gemeinnützige Treuhandstiftung

Die Abzugsfähigkeit von Zuwendungen
an gemeinnützige Stiftungen
vom zu versteuerndem Einkommen
ist schon heute für Mittelständler
attraktiv: Aufgrund eines
Urteils des Bundesfinanzgerichtshofs
vom August 2005 sowie
dem Erlass des Bayerischen
Landesamtes für Steuern im vergangenen
Jahr, der bundesweite
Gültigkeit hat, können Ehegatten,
die gemeinsam veranlagt sind, den
doppelten Betrag für Zuwendungen
in den Vermögensstock einer
gemeinnützigen Stiftung steuerlich
geltend machen. Der Gründungshöchstbetrag
steigt bei Verheirateten
nach den bislang geltenden
Bestimmungen somit von
307.000 Euro auf 614.000 Euro.
Die Stiftungsgründer können ein-
mal in zehn Jahren den Gründungshöchstbetrag
als Sonderausgabe
steuermindernd nutzen.
Weiterhin können Stifter den
Stiftungshöchstbetrag auf Grundlage
des Erlasses von 20.450 Euro
auf 40.900 Euro steigern, genauso
wie den Spendenhöchstbetrag
(siehe Berechnung) in Anspruch
nehmen. Vermögenswerte, wie
z. B. GmbH-Anteile, Immobilien,
Wertpapiere, Kunstwerke, Bargeld
können der gemeinnützigen Treuhandstiftung
zugewendet werden.
Die Doppelstiftung, die zu den
unternehmensverbundenen Stiftungen
zählt, ist als zeitgemäßer, intelligenter
Baustein zur Lösung für
das Nachfolge- sowie Altersversorgungsproblem
zu sehen.

Nachfolgeregelung über
Doppelstiftung lösen

So kann zum Beispiel der Gesellschafter
dem Geschäftsführer einer
GmbH einen Großteil der im Privatbesitz
befindlichen Gesellschaftsanteile
stimmrechtslos und steuerneutral
in eine gemeinnützige
Treuhandstiftung übertragen.
Die verbleibenden GmbH-Anteile,
die mit Stimm- und ausreichenden
Gewinnbezugsrechten
ausgestattet sind, werden in eine
Familienstiftung im In- oder Ausland
eingebracht. Die Familien
stiftung regelt die Versorgung der
Familienmitglieder und bestimmt
auch über den Tod des Gründers
hinaus über die Gesellschafterversammlung
die Geschicke der
GmbH. Die Leitung des Unternehmens
wird ab einem bestimmten
Zeitpunkt auf qualifizierte Fremdgeschäftsführer
übertragen. Die
gemeinnützige Treuhandstiftung
ist in der Ruhestandsphase des
GmbH-Geschäftsführers, so Andreas
M. Bosl, Inhaber des Mittelstands-
Beratungs-Dienstes (MBD)
in Pöcking, als ideales Betätigungsfeld
zu sehen. Dieser kann sich gemeinnützigen
Aktivitäten wie Förderung
des Sports, der Bildung,
der Kultur weltweit widmen. Die
oftmals damit verbundenen öffentlichkeitswirksamen
Maßnahmen
stärken zusätzlich das Ansehen
und Kerngeschäft des eigenen
Unternehmens.

Versorgungsinstrument

Für Inhaber mittelständischer Betriebe
ist es möglich, unabhängig
von der beschriebenen Doppelstiftung,
ab einem gewissen Zeitpunkt
im festen Angestelltenverhältnis
für die eigene gemeinnützige
Treuhandstiftung tätig zu sein,
um aktiv den Stiftungszweck im Inund
Ausland zu erfüllen. Beschäf
tigungslose Zeiten im eigenen Unternehmen
können so geschickt
überbrückt werden. Diese Variante
ist auch für Personenkreise interessant,
die ab einem bestimmten
Zeitpunkt aus gesundheitlichen
Gründen körperliche Tätigkeiten,
zum Beispiel im Handwerk, nicht
mehr ausführen können.

Treuhandstiftung oder
rechtsfähige Stiftung

Gesetzlich geregelte und in den
Stiftungsstatuten festgelegte Unterhaltszahlungen
für den Stifter
oder seiner Angehörigen sind eine
Alternative zum aufgezeigten Beschäftigungsmodell
im Gemeinnützigkeitssektor.
Die rechtsfähige Stiftung ist eigenständiger
Träger von Rechten
und Pflichten. Zur Gründung der
Stiftung als juristische Person sind
zwei Vorgänge notwendig: das Stiftungsgeschäft
und die staatliche
Genehmigung. Mit der Genehmigung
durch die zuständige Aufsichtsbehörde
des jeweiligen Bundeslandes
erlangt die Stiftung die
Rechtsfähigkeit. Danach wird die
rechtsfähige Stiftung von dieser
Behörde beaufsichtigt. Im Gegensatz
zur rechtsfähigen Stiftung benötigt
die Treuhandstiftung keine
eigene Organisation. Die treuhänderische
Verwaltung wird durch
eine juristische Person wahr-
genommen,
die normalerweise aufgrund
eines geschlossenen Treuhandvertrages
und der Satzung
nach außen vertritt. Die gemeinnützige
Treuhandstiftung bedarf
im Gegensatz zur rechtsfähigen
Stiftung nur der Prüfung bezüglich
der Gemeinnützigkeit durch das
zuständige Finanzamt. So wird die
rechtsfähige Stiftung in Deutschland
gleich von zwei Behörden
überwacht: dem Finanzamt und
der Stiftungsaufsichtsbehörde.
Die treuhänderische, auch unselbständige
Stiftung genannt, ist
gerade für den Mittelständler die
flexiblere und gleichzeitig die ältere
Grundform der Stiftung. Treuhandstiftungen
haben eine mehr als
tausend Jahre umfassende Geschichte
in Deutschland. Treuhandstiftungen
können recht
schnell errichtet werden. Innerhalb
von einem Monat kann die
Gründung erfolgen, in Ausnahmefällen
in wenigen Tagen. Die
damit verbundene Zuerkennung
der vorläufigen Gemeinnützigkeit
hängt vom Arbeitsaufkommen
des zuständigen Finanzamtes ab.
Zieht man einen Vergleich zwischen
rechtsfähiger und treuhänderischer
Stiftung, so wird in den
meisten Fällen die treuhänderische
Stiftung aufgrund folgender
Vorteile vorgezogen:
● langwierige behördliche Genehmigungsverfahren
entfallen,
● eine staatliche Aufsicht über die
laufende Stiftungstätigkeit ist
nicht gegeben; dafür bestehen
Kontrollmechanismen durch
die Finanzbehörde und durch
Stiftungsgremien, die der Stifter
selbst bestimmen kann, der
Kapitalzu- und -abfluss kann
vom Stifter flexibler geregelt
werden, je nach Einnahmesituation
des Stifters,
● es ergeben sich Kostenvorteile
sowohl bei der Gründung als
auch beim laufenden Betrieb
der Stiftung,
● die Satzung einer treuhänderischen
Stiftung kann, im Gegensatz
zur rechtsfähigen Stiftung,
ohne Schwierigkeiten
den aktuellen Gegebenheiten
angepasst werden,
● die gesamte Administration
der Stiftung kann der Stifter
auf den Stiftungsträger übertragen
und sich auf die Erfüllung
des Stiftungszwecks konzentrieren
Trotz der zahlreichen Vorteile, die
die Treuhandstiftung gegenüber
der rechtsfähigen Stiftung hat,
gibt es hierzu wenige Berater, die
die Vorteile dieser Rechtsform in
kompetenter Weise Stiftern unterbreiten
können und die regelmäßige
Errichtung von Treuhandstiftungen
im In- und im Ausland
begleiten. Grenzüberschreitende
Stiftungskonstruktionen lassen
sich nur mit Expertenteams verwirklichen,
die auch Erfahrung in
der praktischen Umsetzung haben.
Zu einer qualifizierten Beratung
bezüglich der Treuhandstiftung
gehört unter anderem interdisziplinäres
Denken, da neben
dem Zivilrecht das Steuerrecht in
einer besonderen Form berücksichtigt
werden muss.
Nur wer sich mit beiden Rechtsformen
aktiv auseinandergesetzt
hat, kann beurteilen, in welchen
Fällen die Treuhandstiftung für den
Stifter als vorteilhaft erscheint.
Weitere Infos: www.fiala.de;
www.stifter.org

Dr. Johannes Fiala
Dr. Johannes Fiala, Rechtsanwalt,
Bankkaufmann und Betriebswirt
(MBA), geprüfter Finanz- und Anlageberater,
Master of Businessadministration
(Universität Wales),
Master of Mediation (Universität),
EG-Experte (C.I.F.E.), berät
seit Jahren freie Finanzdienstleister,
Kapitalanleger und Vertriebe
beim Thema Beratungs- und Prospekthaltung.
Zwei Jahrzehnte
lang sammelte er Erfahrungen in
der treuhänderischen Abwicklung
bzw. Verwaltung von Firmen- und
Nachlassvermögen, Immobilien
und Wertpapieren – auch im gerichtlichen
Auftrag.

Frank M. Strobelt
Frank M. Strobelt ist Geschäftsführer
der Gesellschaft für Stiftungsförderung
e. V. (GfS), war
über viele Jahre Mitglied von Prüfungsausschüssen
der Industrieund
Handelskammer (IHK) und ist
Vizepräsident der Europäischen
Wirtschafts- und Finanzakademie
(EWFA). Er ist seit über 20 Jahren
in Vorständen von gemeinnützigen
Körperschaften und Stiftungen
tätig.

(Network-Karriere Feb. 2008, 26)

Mit freundlicher Genehmigung vonhttp://www.network-Karriere.com/>www.network-karriere.com.

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