Abfindungen steuerlich minimieren

. . . und stiften gehen – das neue Stiftungsgesetz ein sinnvoller Lösungsweg
Werden bei vorzeitiger Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Abfindungen gezahlt, stellt sich regelmäßig die Frage nach den steuerlichen Folgen, und wie man diese möglichst minimieren kann. Das neue Stiftungsgesetz, dass im vergangenen Jahr in Kraft trat, kann für viele Betroffene einen sinnvollen Lösungsweg darstellen.
Abfindungen, die zu einer Zusammenballung von Einkünften in einem Jahr führen, werden begünstigt besteuert. Eine Zusammenballung ist dann gegeben, wenn die Abfindung und ein eventuelles laufendes Arbeitseinkommen des Jahres, in dem die Abfindung gezahlt wird, höher sind als das sonst erzielte reguläre Arbeitseinkommen für ein gesamtes Jahr.
Derartige Abfindungen werden einkommensteuerlich unter Anwendung der so genannten Fünftelregelung ermäßigt besteuert. Hierbei wird die erhaltene Abfindung durch fünf geteilt. Dieser Betrag wird auf das übrige zu versteuernde Einkommen aufaddiert. Der sich dann ergebende Steuerbetrag für das Fünftel der Abfindung wird sodann mit fünf multipliziert um die tatsächlich anfallende Steuerbelastung der Abfindung zu ermitteln. Da der deutsche Einkommensteuertarif progressiv ist, also der Steuersatz bei steigendem Einkommen ansteigt, bis er bei einem zu versteuerndem Einkommen von 52.152 Euro den Spitzensteuersatz von 42 % zuzüglich Solidaritätszuschlag von 5,5 % erreicht, muss jemand, der eine Abfindung erhält, bestrebt sein im Jahr der Abfindungszahlung neben der Abfindung ein möglichst geringes sonstiges steuerpflichtiges Einkommen zu erzielen.
Ab einem laufenden Einkommen von 52.000 Euro spart er sich auch bei Anwendung der Fünftelregelung für die Abfindung keine Steuern mehr, da er bereits im Spitzensteuersatz liegt. Die Abfindung wird dann voll mit 44,31 % versteuert. Noch teurer wird es, wenn laufendes Einkommen und ein Fünftel der Abfindung über den Betrag von 250.000 Euro hinausgehen. Ab diesem Einkommen greift die so genannte Reichensteuer. Der Steuersatz steigt dann auf 45 % zuzüglich Solidaritätszuschlag, also insgesamt auf bis zu 47,48 %.
Den höchsten Vorzug aus der begünstigten Abfindungsbesteuerung erreicht man, wenn dass übrige zu versteuernde Einkommen Null Euro ist. Zu einer Optimierung der Abfindungsbesteuerung gilt es also Strategien zu entwickeln, die das Ziel haben das übrige zu versteuernde Einkommen zu drücken. Eine Möglichkeit könnte in dieser Situation der Versuch sein, keine anderen laufenden Einkünfte in dem Jahr zu erzielen. Alternativ ist zu prüfen, ob den vorhandenen positiven Einkünften entsprechende steuerlich anerkannte Verluste aus anderen Einkunftsquellen gegenübergestellt werden können, um diese damit zu neutralisieren.
Durch das Gesetz zur Stärkung des bürgerlichen Engagements ist in diesem Bereich seit dem 01.01.2007 die praktische Relevanz einer interessanten Gestaltungsvariante stark erhöht worden. Zu den absetzbaren Sonderausgaben zählen seit jeher Zuwendungen an gemeinnützige Stiftungen. Der Gesetzgeber hat jetzt allerdings die zuwendbaren Beträge in den Vermögensstock einer Stiftung drastisch auf bis zu eine Million Euro erhöht, bei Ehepaaren 2 Millionen Euro). Bei größeren Abfindungen, die etwa keine Erben haben oder generell einen von ihnen ausgesuchten gemeinnützigen Zweck, verknüpft mit ihrem Namen, fördern wollen kann es interessant sein diesen Sonderausgabenabzug in Anspruch zu nehmen. Verbindet man diese steuerlichen Aspekte mit dem Wunsch auch nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben eine sinnvolle Altersaufgabe zu haben, gewinnt die Stiftungslösung weiter an Charme.
Beispielhaft ergibt sich bei einem laufenden zu versteuernden Einkommen von 200.000 Euro und einer Abfindung von 250.000 Euro eine reguläre Einkommensteuerbelastung für einen Alleinstehenden von insgesamt 191.045 Euro. Reduziert man jetzt das laufende Einkommen durch Gründung einer Stiftung mit einem Vermögensstock von 200.000 Euro auf Null Euro, entsteht eine Steuerbelastung von lediglich 69.081 Euro. Die vielfältigen Möglichkeiten der Stiftung werden häufig deshalb nicht genutzt, weil der eigene Steuerberater auf diesem Spezialgebiet nicht ausgebildet wurde und deshalb – auch aus Haftungsgründen – im Mandantengespräch zu wirkungsvollen Stiftungskonstrukten keine Stellung bezieht. Hier ist es empfehlenswert unabhängige Stiftungsberater mit langjährigen Erfahrungen mit der Errichtung und Verwaltung von Stiftungen in die Beratung einzubeziehen.
In der Gründungphase ist darauf zu achten, dass der Stifter Stiftungslösungen wählt, die ihm neben den steuerlichen Effekten auch weitreichende zivilrechtliche Vorteile ermöglicht. So ist die gemeinnützige Treuhandstiftung im Vergleich zur rechtsfähigen Stiftung in der Regel die flexiblere und kostengünstigere Rechtsform der Stiftung. Dabei ergeben sich beispielsweise Kostenvorteile sowohl bei der Errichtung als auch beim laufenden Betrieb der Stiftung. Weiterhin kann der Kapitalzu- und abfluss vom Stifter flexibler geregelt werden, je nach Einnahmesituation des Stifters.
(Halstenbeker Magazin 08/2008, 22-23)
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