Geld vom Staat für Unternehmen?

Die internationale Finanzkrise hat die Karten im Kreditpoker neu gemischt. Basel II ist hart und kluge Banker nicht blauäugig. Bonität heißt der Schlüssel zur Liquidität! Ansonsten zerplatzt der Traum einer investitionsgesteuerten Förderung.
Es ist kein Geheimnis, sobald sich internationale Finanzkrisen anbahnen, brechen für Unternehmen harte Zeiten an. Geldinstitute sind in Aufruhr. Eine Finanzkrise – wie jüngst der Einbruch im amerikanischen Immobilienmarkt – vergegenwärtigt die Morbidität eines Geldmarktes, dessen Kapitalertrag sich nur auf eine hoch rentable Investition ausrichtet. Wer im Kreditpoker mitmischt, bestimmt den Weg, wohin das Geld fließen soll. Dass dabei auch defizitäre Entscheidungen von Investments durch Banken den Weg versperren können, ist schlichtweg Pech! Banker sind kritisch und erfolgs- bzw. leistungsorientiert. Doch wie kann man an das heiß begehrte Liquidationsmittel gelangen? Gut ist es dabei zu wissen, wie Banker und Banken ticken und wie man deren Regeln einhält. Denn die Bank ist nichts anderes als ein Handelsinstitut, das tagein und tagaus die Ware Geld, Aktien und Fonds verkauft! Infolgedessen sind Kredite und Fördergelder Teil des Bankgeschäfts. Controlling und Rating Gar bedrohlich schwebt über dem bundesdeutschen Wirtschaftshimmel das Damoklesschwert Basel II, das eine Kreditaufnahme erschwert. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Basel II orientiert sich am Bankenrating. Der angesehene Ratingexperte Prof. Dr. Ottmar Schneck unterrichtet am Lehrstuhl Banking, Finance & Rating an der ESB Reutlingen und bringt zum Ausdruck: „Zunächst muss festgehalten werden, dass die heutigen Ratingsysteme mit dem einfachen Schemata vor Jahren nichts mehr gemein haben. Alle, die Ratingsysteme entwickelten, haben dazugelernt und valide Kriterien und Modelle erarbeitet, um die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Schuldners zuverlässig zu prognostizieren. Unternehmen, die ihre Hausaufgaben machen und ihre qualitativen und quantitativen Faktoren vorbereiten, dürften so gesehen kein Problem haben.“ Jedoch die Geldspritze, die zur Kontenbereinigung dienen soll, verschlechtert nur die finanzielle Unternehmenssituation. Prof. Schneck weiß: „Wenn kleine oder mittlere Unternehmen als Schuldner bei Banken in der Kreide stehen, dann muss zunächst konstatiert werden, dass die so häufig gescholtenen Banken in Krisenzeiten noch stärker auf die Bonität ihrer Kunden blicken.“ Das sei im übrigen von allen Banken reiner Selbsterhaltungstrieb, um nicht selbst in eine Krise zu steuern oder schlimmstenfalls in eine Insolvenz zu geraten. Kein Investment in deutsche Wirtschaft Insofern gibt es heute keine systematischen Diskriminierungen mehr. Abhilfe schafft in diesem Fall der Einsatz von frei zugänglicher Ratingsoftware. Sie kommt in allen guten Unternehmen zunehmend als Ergänzung zum eigentlichen Controlling zum Einsatz. „Controlling ohne Ratingprognose sollte es künftig nicht mehr geben“, folgert Professor Schneck. Empfehlenswert für ein Unternehmen ist es daher, sich die Ratingkriterien seiner Hausbank(en) zu besorgen und sich auf das Bankgespräch bestens vorzubereiten. „Im übrigen gibt es auch gute Werkzeuge für ein Pre- oder Eigenrating, wie z. B. RCockpitTM, das das Rating vollumfänglich abbildet und so ideal für das Bankgespräch ist“, ergänzt der Ratingexperte. Aber auch Fördermittelberater sowie entsprechende Fachbücher, u. a. auch Loseblattwerke, geben Aufschluss und Einblick über diverse Fördermöglichkeiten. „Dennoch ist die Vorgehensweise immer dieselbe“, meint der Münchner Rechtsanwalt Dr. Fiala und ergänzt: „Derartige Kreditanträge müssen bei der Hausbank eingereicht werden – und bleiben dort meistens liegen. Diese Handlung hat Methode, da die Bank wirtschaftlich denkt und dem Kunden ‚saftige ʻ überziehungszinsen abverlangt. Wird im Vorfeld dazu noch falsch beraten, weil der Antrag oft vor dem Investment erfolgen muss, trägt der Antragsteller die Konsequenzen“, plaudert der Jurist aus dem Nähkästchen. Er muss es wissen. Vor seiner juristischen Laufbahn absolvierte er eine Banklehre in einem renommierten Geldinstitut und kennt deren legale Hintertürchen. Dessen ungeachtet sind beispielsweise viele Finanzmarktprobleme der Bank hausge macht. Entstanden durch die vielen Turbulenzen im weltweiten Finanzgeschäft, denen Geldinstitute kaum entgegensteuern können. Zum Beispiel der schwankende Dollarkurs oder die so genannte Risiko- und Anlagepolitik – bevorzugt werden hier amerikanische Hypotheken. Gerät nun der Immobilienmarkt aus den Fugen, löst das weltweit eine fatale Kettenreaktion aus. Dr. Fiala formuliert es so: Zur Schadensbegrenzung folgen erst später die Abschreibungen. Ich denke hier an die IKB, Sachsen-LB, West-LB etc. Hier rollten die Köpfe von Vorständen, als sie das Bankvermögen verspekuliert hatten.“ Die Folge: Der entstandene Schaden wird hinterher auf die Unbeteiligten, wie die Aktionäre, abgewälzt. Gleichwohl investieren Banken weniger in deutsche Unternehmen. Dabei täte es der deutschen Wirtschaft gut und könnte dazu führen, dass weniger Firmen ins Ausland abwandern. Risikostreuung Wer eine Förderung ins Auge fasst, muss die Spreu vom Weizen trennen. Bestenfalls helfen dabei darauf spezialisierte Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. „Man sollte ebenso wissen, dass sich seit 30 Jahren das Eigenkapital der Unternehmen als Quote halbiert hat“, wirft Fiala ein. Dem Schreckgespenst Bank und Banker mutig entgegenzutreten heißt, die unternehmerischen Karten auf den Tisch zu legen. Viele Unternehmensprobleme entstehen durch den Mangel an einer buchhalterischen Transparenz und schlimmstenfalls auf Grund unbeglichener Rechnungen. Fakt ist, dass nur eine zeitnahe Buchhaltung und Bilanzierung das Rating positiv beeinflussen kann! Und weil nun einmal Controlling und Rating das wichtigste Instrument sind, sollte die betriebswirtschaftliche Auswertung gelesen werden und man sollte darauf reagieren und sie nicht nur im Steuerordner verschwinden lassen und als Ablagepapier begreifen. „Machen Sie sich also daran auf Basis eines Mengengerüsts Ihre Umsätze, Kosten und Gewinne der nächsten fünf Jahre zu planen. Rating bewertet ja auch die Zukunft, sodass allein die Existenz dieser Planungen und Steuerungsinstrumente sich positiv auswirken“, bringt es Dr. Schneck auf den Punkt. Sobald nämlich das Eigenkapital aufgebraucht ist, können sich nur noch Freunde oder die Familie daran beteiligen, eine Geldquelle aufzutun. Schlimmstenfalls greift ein guter Sanierer ein, der zur absoluten Sparsamkeit mahnt, um erst einmal wieder entsprechendes Eigenkapital aufzubauen. In dieser Zwangslage ist der Schuldenabbau nichts Unmoralisches, sondern der Schlüssel zum Unternehmenserfolg. Ganz Clevere versuchen ihre persönliche Risikostreuung im Ein- und Verkauf und im Qualitätsmanagement zu forcieren, in dem auch das so genannte Risikomanagement zum Einsatz kommt. Es beinhaltet beispielsweise eine Nachfolgeregelung, die den Fortbestand des Unternehmens sichert. Aber auch die betriebsinterne Aufgabenverteilung, die Vermeidung von Mängeln in der Organisation, die Berücksichtigung von steuerlichen und rechtlichen Risiken sowie die Optimierung von Versicherungen sowohl betrieblicher als auch privater Natur unterstützen das unternehmerische Portfolio. „Besonders notwendig ist es, entsprechendes Fachpersonal im Haus zu haben, das in Abstimmung mit dem Steuerberater die betriebswirtschaftlichen Kernpunkte im Unternehmen abgleicht“, empfiehlt der Münchner Rechtsanwalt. Besser ist es, das Unternehmenskapital auf verschiedene Geldinstitute zu verteilen, u. a. auch auf ein legales Konto im Ausland. „Nur so vorbereitet lassen sich nämlich aufgetretene Engpässe effizienter beseitigen“, schildert Dr. Fiala. Vertrieb und Management Um sich durch den Fördermitteldschungel durchzukämpfen, sind neben guten Kontakten auch sehr gute Marktkenntnisse erforderlich. Was viele oft nicht wissen – über die KfW kann ebenfalls Kapital aufgenommen werden. Banken jedoch bearbeiten den Antrag recht ungern, weil sie daran kaum etwas verdienen. Gerade provisionsgetriebene Bankberater verhalten sich als „Handlanger“ für die KfW recht unkooperativ. Dieses praktizierte System hat Methode und sollte weniger der Person angelastet werden. „Besser wäre es, die KfW würde eigene Zweigstellen eröffnen, das wurde ja auch von Frau Matthäus-Maier selbst einmal ins Gespräch gebracht“, so Dr. Schneck. Andererseits wollen Banken wissen, ob das beantragte Fremdkapital rentabel ist. Von Interesse sind hierbei ein ausgereifter Vertrieb sowie ein verantwortliches Management. „Beispielsweise gelangt nur jedes ca. 1000. Patent, das angemeldet wird, zur Marktreife“, erklärt der Rechtsanwalt und rät, sich an einen Steuerberater zu wenden, der entsprechende Branchen-Kennzahlen für einen Businessplan besitzt. „Ich empfehle im Nachschlagewerk ‚Alternative Finanzierungsformenʻ nachzulesen. In einem eigenen Kapitel sind all diese Möglichkeiten aufgeführt. Aber natürlich kann auch ein Blick ins Internet nicht schaden. Aufpassen sollte man, dass so genannte professionelle Förderberater einem nicht unbegründet Provisionen abringen. Meist helfen hier auch die Wirtschaftsfördergesellschaften der Gemeinden, Städte und Länder. Denken Sie aber auch an Private Equity. Geld ist genug im Markt und die vielen Gesellschaften, die Genussscheine oder Privatplatzierungen haben, können durchaus ernst genommen werden“, rät Dr. Schneck. Ins Fördermittelboot können auch die klugen Ideen von VC-Gesellschaften oder PE-Gesellschaften geholt werden. Oder die Business Angels, die über BAND (Business Angel Network Deutschland) zu erreichen sind. Grundsätzlich sollte der Unternehmer die Konditionen vergleichen, da Fördermittel oft mit geringer Marge (rund 0,5 Prozent) von der Bank durchgehandelt werden, die kaum kostendeckend ist. Beispielsweise gehören zu den Konditionen bei Kredit und Anlagen teilweise auch die versteckten Kosten/ Gebühren. „Schlaufüchse schauen hier unter www.eibl-kontenprüfung.de nach“, ergänzt Dr. Fiala. Außerdem bietet sich für Neuunternehmer das „KfW-Start-Geld“ an, das ebenso über die Hausbank beantragt wird. Auch in diesem Fall gibt es verschiedene Modelle, die für den Neuunternehmer in Frage kommen könnten. Die Basis bilden in diesem Fall ebenfalls die Rentabilitätsvorschau, der Business-Plan, die engmaschige Kontrolle durch die Buchhaltung und der Steuerberater sowie der Konditionenvergleich. „Denn der Unternehmer haftet für jeden Kredit persönlich. Notfalls droht die Insolvenz“, so Dr. Fiala Fazit: Schlaufüchse ängstigen sich nicht vor Basel II, sondern sehen es als eine Möglichkeit mittels guter Vorbereitung in Planung und Firmentransparenz ihrer Bank das notwendige Geld zu entlocken.

(POS-Ladenbau 2/2008, 60)
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