Wohn-Riester – Auf Kostenfalle achten

Mit der Riesterrente als staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge versucht man, das künftig sinkende Niveau der Renten auszugleichen. Das betrifft meist nicht Selbstständige, eher aber mitarbeitende Ehegatten und Mitarbeiter als pflichtversicherte Arbeitnehmer. Bei “Wohn-Riester” können die angesparten Mittel zum Kauf von Wohneigentum eingesetzt werden. Auf Kostenfallen Ist aber zu achten.
Riester-Förderung
Vier Prozent des beitragspflichtigen Vorjahreseinkommens kann gespart werden, maximal sind es jedoch 2100 Euro. Dafür gibt es 154 Euro Grundzulage und je kindergeldberechtigtem Kind 185 Euro als Kinderzulage oben drauf. Bei Neugeborenen ab 2008 sind es 300 Euro. Bei einem Ehepaar mit zwei Kindern und einem weiteren Neugeborenen im Jahr 2008 sind es p. a. 978 Euro. Wer Unter 21 ist, erhält einen Berufs- anfänger zusätzlich.
Meist bescheidene Rendite
Die Beiträge zum Riestersparen können wie Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden: Doch hier lauert die erste Falle. Greift die steuerliche Förderung, werden darauf alle Zulagen wieder komplett angerechnet. Es gibt also letztlich nur die Steuer- ersparnis. Und in der Rentenphase sind dafür dann Steuern auf die komplette Riesterrenten zu zahlen – die so genannte nach- gelagerte Besteuerung. Die Rendite solcher Verträge ist dann bisweilen so bescheiden, dass es sich lohnen kann, auf die geförderten Riesterverträge komplett zu verzichten. Auch die Verwaltung der Verträge ist aufwendig und daher oft sehr teuer. Zudem wird in den ersten fünf Jahren für Abschlusskosten und Provisionen meist mehr entnommen, als an Förderung hinzukommt.
Das Neue an Wohn-Riester
Bei Wohn-Riester ist neu, dass die angesparten Mittel nun vollständig zum Kauf eines Eigenheims ? auch einer Eigentums oder Genossenschaftswohnung ? Verwendet werden können, ohne Rückzahlungspflicht ? und dies auch bereits vor Vollendung des 60. Lebensjahres. Auch die Verwendung der Ries- terbeiträge einschließlich der Förderung zur Tilgung eines Baudarlehens ist damit möglich. So wird es auch Wohn-Riester- Bausparverträge und Kombinationen Zwischen anderen Riesteranlagen Und Baudarlehen geben. Daraus ergibt sich jedoch eine weitere Kostenfalle, denn Kombinationen Von Spar-, Renten- und Kreditverträgen kann nur ein unabhängiger Sachverständiger nachrechnen und die Grundlagen für einen Vergleich liefern. Neben Anlagerisiken bei Riester- Fonds können die Kreditkosten erheblich teurer werden: Die Riesterförderung nutzt denn wirt- schaftlich nur dem Produktanbieter ? nicht jedoch dem Bürger.
Es gibt Wohnbauprämie
Die Förderung durch eine 45- Euro-Wohnbauprämie soll erhalten Bleiben ? aber künftig nur noch, wenn das Geld in eine Wohnimmobilie investiert wird. Auch hier lauert eine Preisfalle: Schätzungsweise über 1 Mio. Bundesbürger haben in den ver- gangenen beiden Jahrzenten überteuerte Immobilien gekauft. Es wäre für die geprellten Käufer zumeist geradezu ein Schnäppchen gewesen, vorher einen Sachverständigen für Immobilienbewertung zu fragen oder einen gut versicherten Architekten zur Begleitung der Immobilien- errichtung einzuschalten. Sich über steuerliche recht- liche Risiken vorher beraten zu Lassen, kostet nur rund 1/20stel dessen, was für eine spätere Sanierung im Schadensfall aufzu- wenden wäre.
Steuer-Bumerang im Alter
Ein Bauer auf dem Lande lehnte jüngst das Gespräch über Riester mit folgenden Worten ab: ?Merke Dir mein Junge, der Staat hat seinen Bürgern noch nie was Geschenkt?. Für die geförderten Beträge, die aus entnommenen bestehenden Riesteranlagen und anschließend vor allem durch Kredittilgung in die Immobilie geflossen sind, wird ein fiktives ?Wohnförderkonto? geführt werden. Diese Beiträge verzinsen sich mit 2 % p. a. Zu Beginn der so genannten Auszahlungsphase kann der Steuerpflichtige wählen, ob er dieses (fiktive) Geld dann über 17 bis 25 Jahre laufend versteuert ? dafür haften später auch die Erben ? oder auf Basis von 70 % des fiktiven Wohnför- derkonto-Guthabens auf einmal versteuert: Dies hat einen Pro- gressionssprung zur Folge. Dieses Geld muss zusätzlich angespart Werden, denn die Riesterer- sparnisse sind ja ?in Grund und Boden? gebunden.
Stagnierende oder fallende Immobilienpreise
Seit der Wiedervereinigung sind die Preise für Immobilien nur in ausgewählten Spitzenlagen ge- stiegen. Die Belastungen durch Steuern, hohe Inflation bei den Energie- und Lebenshaltungs- kosten sowie die wachsende Geldmenge wegen der jüngsten Bankenkrisen, ändern ange- sichts des Bevölkerungsrückgangs Nichts daran, dass in der Masse weiterhin kaum mit steigenden Preisen gerechnet wird.
Expertenrat gefragt
Auch bei Förderung durch ?Wohn- Riester? ist der Käufer oder Bau- herr gut beraten, sachverständige Begleitung sicherzustellen, um nicht am Ende ein Vielfaches der Riesterförderung durch un- günstige Verträge beim Ansparen und Kaufen sowie beim Bauen und der Kreditfinanzierung gleich wieder zu verlieren.
Frühzeitige Nutzung und Vererbbarkeit als Vorteil
Wohn-Riester ist die einzige Riester- Form, bei der der Sparer auch vor dem 60. Lebensjahrs bereits seine angesparten Mittel nutzen kann – indem er diese ?ab- wohnt?. Zudem lohnt sich die Zinsersparnis durch Tilgung meist mehr als jede andere Anlage. Für denjenigen, der ohnehin ? Ganz unabhängig von Riester – in eine eigene Wohnimmobilie in- vestieren möchte, wird es sich daher nur selten lohnen, einen separaten Riestervertrag anzu- sparen oder aufrechtzuerhalten statt die Mittel zur Tilgung des Immobiliendarlehen zu verwenden.
Daher werden sicher sehr viele Riester-Mittel in den neuen Wohn-Riester fließen. Allerdings wurden bisher erst wenige Mittel angespart ? wegen unwiderruflich hoher Kosten ? meist nicht einmal die eingezahlten Beiträge. Wer in einigen Jahren tatsächlich Wohn-Riester nutzen möchte, sollte daher jetzt nicht noch einen anderen Riestervertrag mit hohen Anfangskosten vereinbaren. Für ihn kann statt dessen ein Riester- Bausparvertrag das Richtige sein ? Ein anderer Riestervertrag, trotz Förderung ein Verlustge- schäft. Und bei Wohn-Riester gehen die angesparten Mittel im Todesfall den Erben nicht voll- ständig verloren ? die geförderte Immobilie kann auf die Kinder vererbt werden. Auch dies dürfte für viele ein Argument für die In- anspruchnahme von Wohn-Riester sein. In den nächsten Wochen ist mit den ersten zertifizierten Wohn-Riester-Angeboten zu rechnen.
J. Fiala, P. A. Schramm
(Elektropraktiker 5/2008)
Mit freundlicher Genehmigung vonwww.elektropraktiker.de> www.elektropraktiker.de.

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