Kreditfallen führen zu Insolvenzen

Wirtschaftlich macht eine Finanzierung oft nur dann Sinn, wenn das Geld rentabel investiert wird, also die Kreditkosten geringer sind als der Ertrag des Investments. Doch selbst wenn dies so geplant ist, werden Kreditkunden immer wieder in Finanzierungsfallen gelockt. Dann stehen Kreditkündigung und Existenzvernichtung vor der Tür. Wie das zu vermeiden ist, beschreiben die Siebdruck-Gastautoren Dr. Johannes Fiala und Peter A. Schramm in einem Zehn- Punkte-Katalog.
1. Falle: Fehlende Fristenkongruenz
Wer zur Anschaffung von Geschäftsausstattung einen Kredit aufnimmt, bemerkt oft zu spät, dass er noch immer seinen Kredit abzahlt, obgleich sein Investment bei einem spontanen Verkauf nicht mehr das erbringt, was zur Ablösung der Restschuld nötig wäre. Bei Anschaffung eines Ersatzinvestments kommt es dann zur Anhäufung von Schulden.
2. Falle: Anschlussfinanzierungsrisiko
ähnlich geht es Immobilienbesitzern, die ihre Kreditlaufzeit auf beispielsweise zehn Jahre festgeschrieben haben – das Geld aus einem Tilgungsträger (Lebensversicherung etc.) aber erst nach zwölf Jahren, also zwei Jahre später zur Verfügung steht: Die zwei Jahre Zeitdifferenz kann von der Bank ausgenutzt werden, wucherische Zinsen durchzusetzen. Dies gilt vor allem, wenn das investierte Eigenkapital und die Kredittilgung bisher so gering waren, dass keine andere Bank bereit ist, eine Umschuldung zu tragen. Je geringer das Eigenkapital, desto wichtiger sind rechtssichere Vereinbarungen mit dem Kreditinstitut, damit man die Anschlussfinanzierung später zu üblichen Marktkonditionen auch bekommt.
3. Falle: Rückstände, fehlende, fehlerhafte oder manipulierte Unterlagen zur Bonität
Die fristlose Kündigung wird vom Kunden provoziert, wenn fällige Zins- und Tilgungszahlungen nicht erfolgen, Unterlagen zur Beurteilung der Bonität nicht oder manipuliert vorgelegt werden oder sich die Kreditwürdigkeit objektiv verschlechtert hat. Indizien dafür können Vollstrekkungsmaßnahmen sein, oder die wiederholte überschreitung vereinbarter Limite.
4. Falle: Geduldete Kontoüberziehung
Keine Bank ist verpflichtet ständige überziehungen hinzunehmen, wenn Sie dies wiederholt abgemahnt hat. Anders liegt der Fall, wenn die überziehung bisher ohne Beanstandung wiederholt hingenommen wurde. Dann kommt eine plötzliche Kreditkündigung „zur Unzeit“, und bringt die Bank in eine Haftung wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung.
5. Falle: Untersicherung und übersicherung
Banken können die Kreditsicherheiten jederzeit neu bewerten; Eine dann plötzlich auftretende Untersicherung bereitet die Kreditkündigung vor. Dieses Recht steht auch solchen Banken zu, die zuvor betrügerisch mit Kapitalanlagevermittlern oder Schrottimmobilienvertrieben zusammen gearbeitet haben. Der Kreditkunde ist gut beraten, die Werthaltigkeit seiner Investments/Kapitalanlagen vorher selbst auf eigene Rechnung zu prüfen und die Bewertungsmaßstäbe objektiv im Kreditvertrag festzuschreiben. Besitzt die Bank mehr als 120 Prozent Vermögenswerte als Sicherheiten, so ist sie zur Freigabe verpflichtet: Aber auch dies ist im Vertrag zu regeln, denn anderenfalls kann es sich die Bank aussuchen, auf welche Sicherheit sie zunächst verzichten möchte.
6. Falle: Festkredit mit Lebensversicherung zur Tilgung
Nicht erst seit der Finanzkrise erpresst mancher Banker den Kunden, einen Kredit nur zu bekommen, wenn er auch eine Lebensversicherung abschließt. Dieses Provisionsmaximierungsmodell ist nicht nur steuerlich oft nachteilig. Ein Sachverständigengutachten wird jenen Finanzierungsschaden belegen können, für den das Kreditinstitut dann unmittelbar haftet. Annuitätendarlehen sind stets preiswerter beziehungsweise schneller abbezahlt. Doch wird der Kunde darüber oft durch unrealistische Beispielrechnungen getäuscht: Nur auf dem Papier wird der Kredit durch die Ablaufleistung der Lebensversicherung tatsächlich getilgt. In der Realität stellt der Kreditnehmer aber fest, dass er nach Verrechnung mit der Ablaufleistung der Lebensversicherung auf einer erheblichen Restschuld sitzen bleibt.
7. Falle: Hausbank ohne Alternativen
Nicht nur bei Kapitalanlagen ist es eine gute Regel das Risiko zu streuen. Auch bei Kreditfinanzierungen empfiehlt es sich noch mindestens mit zwei weiteren Banken in Verbindung zu stehen – am besten in zwei verschiedenen Ländern. Kommt es mit einer Bank zum Streit, kann die Zahlungsfähigkeit aufrecht erhalten und die oft sichere Insolvenz vermieden werden.
8. Falle: Eingriff der Bank in die Geschäftsleitung
Oftmals drängen Banken den gewerblichen Kreditkunden „eigene“ Unternehmensberater zur Unternehmenssteuerung auf. Die Inhaber oder Geschäftsführer mutieren dann gleichsam zum „Strohmann der Bank“. Was gut gemeint daherkommt, entpuppt sich bisweilen nur als Maßnahme weitere Kreditsicherheiten zu erlangen oder gegenüber anderen Gläubigern als Bank bevorzugt zu werden. Besser ist es, als Unternehmer selbst eine regelmäßige interne und externe Kontrolle der Geschäftsbeziehungen durchzuführen. Ein qualifizierter Steuerberater/Wirtschaftsprüfer hiltf, unwirtschaftliche Geschäftsfelder zu erkennen und zu sanieren.
9. Falle: „Hai Happen“ für Banken und nahestehende Personen
Immer wieder ist zu beobachten, dass Personen aus dem Bankvorstand oder dem Aufsichtsrat bereits wissen, wer das bei einem Kreditkunden vorhandene Vermögen übernehmen könnte. „Gute Freunde“ werden bisweilen vorab informiert und in Stellung gebracht – noch bevor eine Kreditkündigung ausgesprochen wurde. Solche Indiskretionen verstoßen dann gegen Bankgeheimnis und Datenschutz. Solcherlei abgesprochener „Beute-Teilung“ kann oft nur mit strategischer Kreditvertragsgestaltung entgegen getreten werden.
10. Falle: Heuschrecken und Inkassobüros
Großbanken und Sparkassen haben sich bei größeren Gewerbetreibenden ihren Ruf demoliert, indem sie Kreditforderungen an „Hedge-Fonds“ und „Moskau-Inkasso“ weitergaben. Weder Gerichte noch Gesetzgeber bieten hier einen Schutz für Selbstständige, vor allem Gewerbebetriebe. Gelegentlich bedauert dann der Kundenberater, dass man einen Millionenkredit ohne wirkliche Not kündigen musste, um ihn an eine Heuschrecke weiter zu verkaufen. Manchmal kommt dann noch die Bemerkung „Ja, wir wissen dass dies illegal war – aber das Ende eines Prozesses werden allenfalls Ihre Erben erleben können“
Dr. Johannes Fiala Peter A. Schramm
(Der Siebdruck 12/2009, 51-52)
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