So stellen Sie Ihre Bank auf den Prüfstand

In Krisenzeiten rückt die Frage nach dem richtigen Bankpartner unmittelbar in den Mittelpunkt. Immer wieder sind Banken in die Pleite gerutscht, mit dramatischen Folgen für die Kunden. Umso wichtiger ist es, ein paar Grundsätze zu beachten.

Eine gute, und damit stabile Bank besitzt viel Eigenkapital – gesetzlich soll es mindestens rund 6 % betragen, im Verhältnis zu den ausgereichten Krediten. Unter Berücksichtigung von Haftungen wegen auf Zweckgesellschaften ausgelagerten Risikopapieren kann sich die Situation viel schlechter darstellen: So gibt es Banken, bei welchen die reale Eingenkapitalquote um 1 % liegt – oder darunter. Andere Banken im deutschsprachigen Raum besitzen weit ��ber 20 % Eigenkapital und keine direkten Risiken aufgrund der Finanzkrise.

Frage der Politik

Wie lange es der Steuerzahler mitmacht, marode Banken ohne tragfähiges Geschäftsmodell zu stützen, insbesondere „dem schlechten Geld noch gutes hinterher zu werfen“, ist eine Frage der Politik: Bankenpleiten treten immer wieder auf.
Allerdings werden Kunden bei einer Bankenpleite erfahrungsgemäß mit deutlich höheren Zinsen konfrontiert – Liquidatoren bzw. Insolvenzverwalter wollen ja auch irgendwann einmal die Bücher schließen: Daher „motiviert“ man die Kunden zum Bankwechsel.
Auch kann es Jahre dauern, bis Guthaben über die Einlagensicherung entschädigt werden. Eine für Kreditkunden wenig erfreulich Entwicklung ist es, wenn Banken ihre Forderungen an „Heuschrecken“ verkaufen – das Kleingedruckte genau prüfen zu lassen, sichert existentielle Vorteile. Vielleicht nutzt auch das Gespräch am Stammtisch, um zu erfahren, welche Bank willkürlich Kredite kündigt, um sie dann einer Inkassogesellschaft als eigene Refinanzierung zur weiteren Bearbeitung abzugeben.
Unternehmer sind gut beraten, wenn sie sowohl die Geschäftsbedingungen prüfen lassen, als auch die Kapitalstärke ihrer Hausbank genau im Auge behalten.

Geschäftsmodell der Bank untersuchen

Früher, vor mehr als 20 Jahren, lebten Banken von der „Marge“, also der Differenz zwischen den Zinsen, welche an Sparer ausbezahlt wurden, und den Kreditzinsen die man für Darlehen berechnete. Der Wettbewerb in diesem Bereich führte dazu, dass Banken mehr und mehr versuchten Gebühren und Provisionen als Haupteinnahmequellen zu verstehen. Dabei ist es für Kunden oft schwer, die Details zu durchschauen – ohne Sachverständigen wird es kaum möglich sein, einmal die Abrechnungen prüfen zu lassen. Erstaunlich ist, dass manche Bank – entgegen der rechtlichen Grundlagen – über Jahre 50 % mehr an Zinsen und Gebühren berechnet hat: Der steuerliche Berater besitzt regelmäßig nicht das Instrumentarium, solches Fehlverhalten zu erkennen.

Negative Presse als Warnsignal

Hinzu kommt, dass der Geschäftssinn mancher – aber nicht aller – Kreditinstitute durch Presseberichte bekannt wurde. Beispielsweise die Vermittlung von Kapitalanlagen, die später als Steuerhinterziehungs-Modelle enttarnt werden sind ein Indiz. Ebenso wurden vielen Anlegern „Garanite“-Produkte verkauft, die in ein paar Jahren eine Kapitalrückzahlung sicherstellen, aber heute nur noch eine Bruchteil wert sind – also faktisch unverkäuflich. Hierzu gehört auch das Phänomen, dass vor allem der Generation „60-plus“ das Depot komplett in Zertifikate und Derivate investiert wurde. Negative Presse enthüllt die Geschäftsmethoden und kann ein deutliches Signal sein, über ein Wechsel nachzudenken.

Inflation – Deflation –Kreditmanagement

Fachleute meinen, dass es nur drei Methoden gibt, die in der Krise zu agieren: Liquidierung von Banken, etc., die sich nicht tragen, oder Inflation um die Staatsschulden abzubauen, oder Stützung von überschuldeten Banken auf Kosten des Steuerzahlers.
Derzeit gilt noch: Bei steigender Deflation wird das Geld laufend mehr wert und Sachwerte sinken im Preis; zu große Schulden können tödlich sein. Insofern sich jene Unternehmen im Vorteil, die ein möglichst hohes Eigenkapital besitzen, um damit möglichst wenig von Kreditgebern abhängig zu bleiben. Hohes Eigenkapital ist die Grundlage, auch wirtschaftliche Rückschläge verkraften zu können. Rund 30.000 Unternehmensinsolvenzen jährlich zeigen, dass dies nicht jedem Gewerbebetrieb gelingt – ein politischer „Rettungsschirm“ steht in derartigen Fällen regelmäßig nicht zur Verfügung.
Und in der Zukunft: Bei steigender Inflation wird es umgekehrt aussehen: Das Geld wird laufend weniger wert und Sachwerte steigen im Preis; Schulden sind dann bei passenden betriebswirtschaftlichen Kennzahlen weniger ein Problem.

Auf die Planung kommt es an

Allerdings kommt es auch hier wieder auf die Planung an: Wenn Kreditmittel zu festen und damit kalkulierbaren Zinsen benötigt werden, sollten die Verträge entsprechend gestaltet sein. Die geduldete Kontoüberziehung mit faktisch jederzeitiger Kündbarkeit wäre die teuerste und gefährlichste Variante. Immer wieder ist zu beobachten, dass Anträge für staatliche Zinsverbilligungs- und Bürgschaftsprogramme bei der Hausbank „liegen bleiben“ oder „verloren gehen“ – die Hausbank verdient daran oft zu wenig. Wenn dann ein Vielfaches an Zinsen berechnet wird, kann dies mehr als den laufenden Gewinn „auffressen“.

Risikostreuung – Multi-Kulti

Vergleicht man die Einlagensicherungssysteme, fällt auf, dass einige potentiell überschuldet sind. Im Inland sieht es für manchen Unternehmer so aus, als ob es nur die sprichwörtliche Wahl zwischen Pest und Cholera gäbe. Großbanken unter einem „Rettungsschirm“ – potentiell überschuldet ? Sparkassen haften für Landesbanken – potentiell verschuldet? Volks- und Raiffeisenbanken sind durch eine Großbank belastet – potentiell überschuldet? Dann stellt sich die Frage, wie groß eigentlich die Einlagensicherung ist, und wie viel dieser Reserven ebenfalls in „Gift-Papieren“ angelegt sein könnte? Transparenz ist auf diesem Felde wohl eher die Ausnahme.
Indes gibt es zwischen einzelnen Kreditinstitutionen enorme Unterschiede: Die Zusammenarbeit mit mehreren Instituten kann das Risiko für Unternehmen deutlich mindern. Noch gravierender werden die Unterschiede allein im deutschsprachigen Raum sichtbar, wenn man feststellt, dass es Institute gibt, die einfach gar nie nicht pleitegehen können. Oder wenn eine Analyse zeigt, dass es bei den Konditionen enorme Unterschiede gibt. Ohne strategische Weichenstellung können aber die wirklich im Einzelfall „passenden“ Bankenpartner für einen Unternehmer nicht gefunden werden.

Qualitätsmanagement

Unternehmen mit Qualitätsmanagement wissen, dass alle Lieferanten regelmäßig zu bewerten sind. Kreditinstitute verlangen von Kunden vor der Darlehensausreichung einen Nachweis der Bonität. Seit einigen Jahren haben sich die Verhältnisse umgekehrt: Der Unternehmer überlegt, ob das Kreditinstitut nachweisen kann, dass es konform zu den Unternehmenszielen aufgestellt ist. Legt das Unternehmen oder der Unternehmer Geld an, ist die Auswahl des Finanzpartners nicht minder entscheidend.
Dr. Johannes Fiala

(Bayrische Gemeinde Zeitung 19.03.2009, 5)

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