DAX-Aktionäre erhalten 25 Mrd. Euro Dividenden – nicht jedoch Zertifikatsbesitzer

DAX-Aktionäre können sich über 25 Milliarden Euro Ausschüttungen derzeit freuen. Doch so mancher Zertifikatsbesitzer geht leer aus. Dividenden werden am Börsentag nach der Hauptversammlung vom Aktien�kurs abgezogen, das Papier wird dann „exDividende“ gehandelt. Ein solcher Kursabschlag kann für Derivate folgenreich sein. Das gilt insbesondere für hochriskan�te Knock-out-Papiere. Sie können wertlos verfallen, wenn die zu�grunde gelegte Aktie eine vorher festgelegte Kursschwelle berührt. Aber auch die nach der Finanz�krise vermehrt angebotenen Ga�rantieprodukte unterliegen einem beträchtlichen Risiko. Verletzt beispielsweise die einem Bonus- Zertifikat zugrundeliegende Ak�tie eine bestimmte Kursbarriere, dann entfällt der versprochene Bonus.

Etwa 40 Prozent Rendite-Einbuße durch Zertifikate

In den 50er-Jahren ergab sich nach dem S&P-Index aus der Kursentwicklung zuzüglich der Dividendenzahlungen eine Total�rendite von 467 Prozent; in den 80er bzw. 90er Jahren waren es beispielsweise 389 bzw. 423 Pro�zent. Rund 60 Prozent dieser To�talrenditen re�sultierten aus dem Kursver�lauf – etwa 40 Prozent mithin aus dem Di�videndenbe i �trag. Besonders drastisch sah es für Zertifi�katsbesitzer in den 2000er Jah�ren aus, wo der Kursverlauf 24 Prozent im Mi�nus lag, und der Dividendenbei�trag lediglich 15 Prozent betragen hat.
Aus rechtlicher Sicht stellt sich die Frage, ob der Anlageberater auf die beschriebenen Zusam�menhänge hingewiesen hat. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich Anleger für eine andere Asset-Klasse entschieden hätten, wenn man ihnen das Dividenden�risiko erläutert hätte. Die Käufer von Zertifikaten, denen Schutz vor Verlusten und attraktive Er�träge versprochen werden, ver�zichten auf Dividendenrenditen zu durchschnittlich 3,5 Prozent im DAX. Verschweigt der Anlagebe�rater dieses Risiko, handelt es sich nicht um eine anlegergerechte Be�ratung. Diese liegt nur dann vor, wenn der Finanzdienstleister über alle Tatsachen aufgeklärt hat, die für die Anlageentscheidung sei�nes Kunden von Bedeutung sein können. Schadenersatzansprüche gegen die Bank können die Folge sein.

Milliarden-Anlagen in windige Geschäfte

Null Risiko, hohe Rendite, und sichere Steuervorteile. Diese Versprechen begleiten Zertifika�te, geschlossene Beteiligungen, Genussrechte, Private-Equity- Anlagen und Hedge-Fonds. Die oft hundert bis hunderte Seiten umfassenden Bedingungswerke haben die Berater selten selbst gelesen – geschweige denn ver�standen. Wich�tig sind den Be�ratern bei den Zertifikaten zu�meist die hohe Provision von rund acht Pro�zent sowie die laufenden Ver�wal tungskos �ten, welche die Rendite des An�legers ins Minus treibt. Zahlrei�che Finanzpro�dukte dieser Art sind im Ausland für den aktiven Vertrieb an Privatkunden gesperrt, denn diese Investments ähneln meist einem Glücksspiel, bei dem es nur einen sicheren Ge�winner gibt, den Berater. In der Praxis haben Anleger regelmäßig auch deshalb gute Chancen auf Rückabwicklung, weil sich fast alle Banken seit Jahren Kick- Backs bzw. versteckte Provisio�nen haben bezahlen lassen, die Gerichte darin jedoch mittlerweile ein systematisches betrügerisches Verhalten erkennen.

Dr. Johannes Fiala
Günther Hemmerling

(CHAZ 9/2011, 536)

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