Lebensversicherung: Rückabwicklung erleichtert

Millionen Kapitalanleger vertrauenihren Bankberatern undVersicherungsvermittlern. DasRisiko, dass sich die Anlageentscheidungals falsch erweist,trägt der Kunde. Voraussetzungdafür ist allerdings, dass dieBeratung des Kunden ausreichendwar. Dies ist jedoch vielenBeratern gar nicht möglich,weil sie das Kleingedruckte,etwa Versicherungsbedingungenoder Emissionsprospektemit bis zu hunderten von Seiten,noch gar nicht gelesen hatten.

Landgericht (LG) Frankfurt/Main: Nur anleger- undobjektgerechte Beratung
Dem LG Frankfurt (Urteil vom12.09.2011, Az. 2-21 O 44/11) lagein Fall zugrunde, bei welchem derBerater zur Risiko-Diversifikationdem Kunden Zertifikate empfohlenhatte, wobei der Kunde bereitssein Vermögen allein in Aktien angelegthatte. Jedoch war dieseEmpfehlung ungeeignet, weil dieszu einem Klumpenrisiko beimEmittentenrisiko geführt hatte. Weiterhinwar diese Anlageberatungnicht geeignet, weil die Zertifikatedem Bereich der Aktienanlage zugeordnetwerden, sich also derAktienanteil durch diese Anlagegar nicht reduziert hatte. Wie dasGericht ausführte, kann der Beraternicht einwenden, dass sich dieZertifikate teilweise auf andereAktien bezogen.

Fehlberatung ohne Blick aufEmittentenrisiko, Klumpenrisikound Anlageklassen
Eine saubere Beratung des Kundenmuss anleger- und objektgerechtsein. Dafür „maßgeblich sindeinerseits Wissensstand, Risikobereitschaftund Anlageziel desKunden und andererseits die allgemeinenRisiken, wie etwa dieKonjunkturlage und die Entwicklungdes Kapitalmarktes, sowie diespeziellen Risiken, die sich aus denbesonderen Umständen des Anlageobjektsergeben. Während dieAufklärung des Kunden über dieseUmstände richtig und vollständigzu sein hat, muss die Bewertung und Empfehlung eines Anlageobjektesunter Berücksichtigung dergenannten Gegebenheiten ex antebetrachtet lediglich vertretbar sein.“Dies gilt wiederum nicht, wennder Berater sich selbst darüber hinausverpflichtet hat, etwa dazu, dasbeste Produkt zu vermitteln. DieseGrundsätze sind auch bei derKapitalanlage in Lebensversicherungenzu beachten, wie vom Bundesgerichtshofentschieden (BGH,Urteil vom 14.06.2007, Az. III ZR268/06). Damit können Millionen„von der Stange beratene“ Kundenvom Vermittler und im Einzelfallauch vom Versicherer einen Schadensersatzfordern und beispielsweisedie Rückabwicklung begehren.
Lebensversicherungen: Hohe Verwaltungskosten, oftunrentabel, selten flexibel
Aufklärungspflichtig sind insbesonderedie speziellen Risiken einesAnlageproduktes. Bei Zertifikatenwerden nicht selten rundacht Prozent Provisionen einkalkuliert– ohne dass es der Kundeweiß. Ob es am Ende der Laufzeitden Einsatz überhaupt unverzinstzurückgibt, hängt beispielsweisedavon ab, ob der Herausgeber desWertpapiers nicht bereits in Konkursoder Liquidation gegangenist.Bei der Lebensversicherung istdas Risiko ähnlich hoch, einenVerlust durch Schieflage der Versicherungsgesellschaftzu erleiden.Weiterhin gehört zu den speziellenRisiken der Kapitallebensversicherung,dass die Abschlusskosten mit den Prämien der erstenfünf Jahre verrechnet werden –der Kunde bei legal arbeitendenVersicherern in den ersten fünf Jahrennur rund die Hälfte der einbezahltenPrämien zurück bekäme.Natürlich gibt es auch Versicherer,die dem Kunden oft illegal wesentlichweniger bei vorzeitigerKündigung abrechnen – soll derKunde doch klagen, denkt sichmancher Versicherer und weistdie Programmierer an, die hauseigeneSoftware entsprechend zugestalten. Zudem gibt es bei Lebensversicherungenauch einEmittentenrisiko, welches ein Beraterbzw. Vermittler erst dann beurteilenkann, wenn er sich mitder Bilanzierungspraxis, den nachAufsichtsrecht möglichen Spielräumenund den weitgehenden Eingriffsmöglichkeiten der Versicherungsaufsichtbis zum Zahlungsverbotund der Herabsetzungselbst bereits „garantierter“ Ansprücheauseinandergesetzt hat.Wer die Situation auf den Kapitalmärktenkennt, muss wissen, dassdie um Anlagerisiken, Verwaltungskostenund Inflation bereinigtenRenditen in der Regel seit Jahrennicht mehr positiv sind. Daran ändernauch „Steuereffekte“ nichts,sodass sich die Empfehlung zahlreicherFinanzprodukte seit Jahrenbestenfalls dafür eignen perSaldo eine negative Rendite zuerziehen.
Renditeerwartung als Falle
Versicherer, Vermittler, Verbraucherund Verbraucherschützer habensich gegenseitig eingeredet, dassLebensversicherungen Kapitalanlagenseien, die dann an ihrer Renditezu messen seien. Tatsächlichaber gehört die eingezahlte Prämiedem Versicherer, der dafür eineVersicherungsleistung verspricht,dafür das Risiko übernimmt undseine Kosten decken muss. Es istjedem Versicherungsmathematikerklar, dass der zum Versicherungsbeginnim Mittel zu erwartendeWert der künftigen Leistungenstets unter dem Wert derkünftig zu zahlenden Prämien liegenmuss – anders kann Versicherunggar nicht funktionieren.Wer auf eine positive Renditekommt, hat schlicht falsch gerechnet.So, wenn vergessen wird, dieZahlungen nach simplen finanzmathematischenGrundsätzen korrektauf den Versicherungsbeginn zu diskontieren oder wenn derKunde für sich von einer überdurchschnittlichenLebenserwartungausgeht.Negative reale Renditen könnenjedoch nie ein Grund sein, auf Altersvorsorgezu verzichten. Genausowenig wie, wer Vorräte für denWinter haltbar macht, sich fragt,wie hoch die Rendite daraus nachAufwand für das Einkochen oderTrocknen und unter Berücksichtigungdes Verlustes an Nährwert,Vitaminen und Geschmack oderdurch Mäuse und Schimmel ist.Die Antwort kann nur lauten: Altersvorsorgelohnt sich auch, wennweniger herauskommt als eingezahltwurde.

Dr. Johannes Fiala
Peter A. Schramm

(www.network-karriere.com, 08.2012)

Möchten Sie mehr Informationen oder suchen Sie juristische Beratung / Beistand? Vereinbaren Sie Ihren persönlichen Termin bei uns oder nutzen Sie unseren Rückrufservice.

Hier Kontakt aufnehmen

(Das erste Telefonat über Ihr Anliegen erfolgt unentgeltlich)