Martins´s Kapitalmarktbeobachtungen, Ende April 2024

Martins´Kapitalmarktbeoachtungen

 

Nach langer Zeit bin ich mal wieder dabei meine Gedanken zu ordnen und die Entwicklungen an den Kapitalmärkten zu analysieren. Ich werde nicht alle Themen ansprechen können aber gerne nochmals meine Beobachtungen vom Ende Oktober 2022 aufgreifen (bitte dort nachlesen).

Ein wichtiges Thema ist aus meiner Sicht die Entwicklung der Inflationsrate. Die Politiker wollen uns ja glaubhaft machen, dass man die Inflation im Griff hätte und diese nicht mehr steigen würde. Im Oktober 2022 lag die Inflationsrate tatsächlich bei offiziell 10,4% und schlägt nun im April 2024 „nur noch“ mit 2,2% zu Buche (Quelle: Statistisches Bundesamt Inflationsrate im April 2024 voraussichtlich +2,2 % – Statistisches Bundesamt (destatis.de)). Leider ist das jedoch nicht mal die halbe Wahrheit, wie Sie aus den folgenden Grafiken leicht rauslesen können. Das wird Ihnen von den Politikern gezeigt:

 

Die Inflationsrate hat zwar innerhalb eines Jahres von Januar 2023 mit 8,7% bis Januar 2024 mit 2,9% deutlich nachgelassen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Preise günstiger geworden sind, sondern dass sich der Preisanstieg verlangsamt hat. Die Auswirkungen kann man hier sehr schön erkennen: (Quellen: Statistisches Bundesamt und eigene Berechnungen)

Diese Grafik bedeutet, dass Sie für ein Gut oder eine Dienstleistung, welches Sie im Januar 2020 zu beispielsweise 1.000 € gekauft haben, im März 2024 bereits 1.186 € zahlen mussten. Das sind die offiziellen Daten des statistischen Bundesamtes Preisstatistik im  Überblick – Statistisches Bundesamt (destatis.de). Dies bedeutet also eine Steigerung um 18,6% in 4 Jahren, was einfach gerechnet ca. 4,65% pro Jahr wären. Vergleichen Sie das bitte mal mit den Zahlen oben, die Ihnen die Politiker vorlegen.

Zudem lag gefühlte Inflationsrate im Mai 2023 bei ca. 18%. Damit war sie ungefähr dreimal so hoch wie die offizielle Inflationsrate von 6,1% “Gefühlte Inflation” in Deutschland  bei 18 Prozent | tagesschau.de

 

Wie sowas zustande kommt können Sie aus der folgenden Darstellung erkennen Warum  die gefühlte Inflation höher ist als die tatsächliche – Capital.de:

Der zusammengesetzte und offiziell benutzte Verbraucherpreisindex beinhaltet eben viele Produkte, Güter und Dienstleistungen, die im täglichen Leben mit komplett anderen Prioritäten und Nutzungsgraden von Ihnen verwendet werden, als dort berechnet wird.

Diese Klarstellung ist einerseits wichtig für Ihr tägliches Leben aber andererseits auch für Ihre Geld- und Vermögensanlagen. Nehmen wir nochmal die durchschnittlichen 4,65% Inflationsrate der letzten 4 Jahre zu Hilfe und legen das Geld mit aktuell ca. 3% 098_Konditionen_im_Einlagengeschaeft.pdf (bmwbank.de) an, dann verlieren Sie jedes Jahr ca. 1,65% an Kaufkraft.

Dies bedeutet bei einer Anlage von 100.000 €, dass Sie nach einem Jahr zwar 3.000 € gutgeschrieben bekommen aber tatsächlich 1.650 € weniger an Kaufkraft zur Verfügung hätten. Ist vielleicht für ein Jahr nicht so schlimm. Bei 5 oder 10 Jahren aber schon. Die so genannte Realverzinsung würde also bei diesem Beispiel Minus 1,65% bedeuten.

Mir ist auch klar, dass ich dieses Beispiel sehr vereinfacht darstelle, aber damit wird die Wirkungsweise klar herausgearbeitet.

 

Für Anleger ist es wunderschön, dass die Zinsen seit Anfang 2022 wieder angestiegen sind, aber unterm Strich bringt es ihnen also nichts. Für Darlehensnehmer ist diese Entwicklung jedoch teilweise dramatisch. In diesem Zusammenhang möchte nochmals auf meine Ausarbeitung vom Oktober 2022 verweisen und hier erneut ausdrücklich aufzeigen.

Von Anfang 2019 bis Anfang 2022 war die Umlaufrendite „unter Wasser“, um dann ganz rasch und für viele Marktteilnehmer überraschend anzusteigen. Damit stiegen auch die Hypothekenzinsen deutlich an und verharren auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

Quelle: Interhyp

Nachdem die Hypothekenzinsen seit fast 20 Jahren permanent gefallen sind, liegen die Zinsen für 10- oder 15-jährige Zinsbindung nicht mehr bei 1% oder 1,5%, sondern je nach Anbieter immer noch bei 3,5% bis 4%. Was dieser Unterschied für eine langfristige Finanzierung in Summe der Zahlungen bedeutet, können Sie ebenfalls in den beigefügten Kapitalmarktbeobachtungen vom Oktober 2022 nachvollziehen.

 

Zu welchem Zinssatz die meisten Hypotheken aufgenommen wurden können Sie der nachfolgenden Grafik entnehmen und dann berechnen, wann es für bestehende Finanzierungen mit Anschlussfinanzierungen Probleme geben wird, sofern die Zinsen nicht wieder sinken sollten:

Quelle: Deutsche Bundesbank und eigene Berechnungen

Demnach werden wahrscheinlich die ersten Darlehen aus den Jahren 2015 zwischen 2025 und 2030 fällig und müssen dann anstelle mit 1,5% bis 2% mit einem Zinssatz von aktuell 3,5% bis 4% prolongiert werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass hierbei noch nicht einmal die ebenfalls sprunghaft angestiegenen Strom- und Heizkosten berücksichtigt wurden, was die finanziellen Spielräume weiter deutlich einschränkt (bitte lesen Sie die Detailberechnung in den Beobachtungen vom Oktober 2022).

Ich bin gespannt, wie sich dies auf die künftige Entwicklung an den Immobilienmärkten auswirken wird.

Nun könnten Sie einwenden „mir doch egal“ ich kaufe mir eh keine Immobilie und bleibe lieber in Miete. „Fair enough“ aber dann sollten Sie sich mal ansehen wie sich Ihre Zahlungseinheit – genannt EURO – seit dessen Einführung entwickelt hat.

 

Dazu zeige ich Ihnen dann mal diese Grafik:

Nach aktuellen Daten hat der EURO seit Einführung immerhin über die ganz normale und von der EZB geplante 2% Inflation sportlich mehr 1/3 an Kaufkraft verloren (per 2024). Wären Sie ein Schlauli gewesen und hätten Ihre gute alte D-Mark in Gold – anstatt in EURO – getauscht wäre Ihnen ein Kaufkraftverlust von 85 bis 90% erspart geblieben.

Eine Währung wird nur solange als Zahlungsmittel akzeptiert werden, solange die Wirtschaftsakteure Vertrauen in die jeweilige Währung haben…

 

Das bisher beschriebene wirtschaftliche Umfeld (hohe Zinsen, noch höhere Inflation, hohe Kosten etc.) führt auch bei Unternehmen zu erheblichen Problemen und wird zu deutlich anziehenden Insolvenzen führen.

Dazu sollte man auch wissen, dass beispielsweise in den USA (längste Datenreihen vorhanden) immerhin 24% der Unternehmen im Russel 3000 Index (die größten börsennotierten Aktiengesellschaften) als so genannte Zombies bezeichnet werden. Damit drückt man aus, dass diese Unternehmen nicht mal so viel Ertrag erwirtschaften, um nur den Zinsaufwand für ausstehende Kredite zu begleichen!

Bemerkenswert dabei ist die signifikante Steigerung seit 2020; wobei da die Zinsen noch negativ waren. Was wird geschehen, nachdem die Zinsen – wie vorhin beschrieben – so stark angestiegen sind? Wie lange dauert es noch bis hier die Insolvenzen explodieren?

Der Stand ist deutlich höher als zur Dot-Com-Bubble im Jahre 2000.

 

Eine aktuelle Analyse der Allianz kommt global zu folgendem Ergebnis Ausblick 2024: Chancen nutzen | AllianzGI:

Demnach stieg der globale Anteil dieser gefährdeten Unternehmen in den letzten 10 Jahren von 3% auf 9%. Dies ist ein Anstieg von immerhin 200%!

Sobald diese Betriebe nicht mehr existieren, steigt auch die Arbeitslosenzahl und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Aber wir wissen ja: „…Die Unternehmen sind nicht pleite oder insolvent. Sie hören einfach auf zu produzieren…

Selbstverständlich werden Sie dies nicht unmittelbar im kommenden Jahr bemerken, sondern vielmehr in 5-10 Jahren, wenn Sie in Rente gehen möchten.

Und schon sind wir bei meinem absoluten „Lieblingsthema“, der Absicherung für den Ruhestand. Ich beschäftige mich damit seit 1990, als ich meine zweite Ausbildung bei der Allianz Versicherung machte. Bereits damals war mir klar, dass wir (die Baby Boomer und folgende Altersgruppen) auf ein finanzielles Desaster zusteuern werden. Ich zeige Ihnen das mal anhand einiger Grafiken auf und Sie können dann selbst Rückschlüsse für sich und Ihre Angehörigen (auch Kinder) ziehen. So sah damals (in 1990) die so genannte Alterspyramide aus Bevölkerungspyramide: Altersstruktur Deutschlands von 1950 – 2070  (destatis.de):

Menschen mit einem Alter von 67+ machten damals 13% (10,4 Mio.) der Gesamtbevölkerung (79,8 Mio.) aus.

Bis zum Jahr 2024 wanderte die arbeitende Bevölkerung langsam, aber sicher nach oben, in Richtung Rentenphase. Die Altersgruppe 67+ macht demnach nun schon 20% (16,9 Mio.) aus, von insgesamt nun 84 Mio. Gesamtbevölkerung.

 

Dies wiederum bedeutet, dass die Altersgruppe 67+ von 10,4 Mio. Menschen auf 16,9 Mio. Menschen angestiegen ist. Die müssen dann auch mal erst „bezahlt“ werden.

Bis 2040 (dann sollten alle Baby Boomer in Rente sein) steigt die Altersgrupp 67+ auf 20,9 Mio. Menschen an und macht dann 25% der Gesamtbevölkerung (81,8 Mio.) aus. Sie erkennen, dass die Gesamtbevölkerung schrumpfen wird, aber die potenziellen Rentenempfänger bis dahin deutlich an Gewicht gewonnen haben.

Im Jahre 2015 wurden durch die Rentenversicherung ca. 200 Mrd. € eingenommen und bereits damals 267 Mrd. € ausgezahlt. Die Differenz wurde durch Steuereinnahmen subventioniert. Mittlerweile liegt die zu finanzierende Lücke bei gut 100 Mrd. €

Und dies vor dem Hintergrund, dass aktuell noch viele Menschen (Baby Boomer) in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Fallen diese in 5-10 Jahren als Einzahler weg und wollen aus der Rentenversicherung Bezüge erhalten, frage ich mich schon wieviel Zuschüsse vom Bund dann gezahlt werden müssen oder schlimmer welche Abzüge, Abgaben etc. die Rentenempfänger zum Ausgleich der Lücke aufbringen müssen bzw. nicht mehr bekommen.

Die Tricksereien haben schon vor Jahrzehnten (bereits in den 70er Jahren -3 Zeitungsausschnitte habe ich als PDF beigefügt) begonnen und gipfeln vorläufig in dem stufenweisen Anstieg einer Versteuerung der Rentenbezüge. Ich bezeichne das gesetzliche Rentensystem als das größte legale Schneeballsystem!

Gerne begleite ich Sie dabei, Ihre Rentenlücke zu erfahren und Lösungen aufzuzeigen um dieses geschilderte Szenario so erträglich wie möglich zu gestalten.

Dabei geht es nicht nur um irgendwelche Sparpläne, sondern auch darum wie bestehende Vermögen (Aktien, Immobilien, Geldvermögen etc.) vor dem Hintergrund negativer Realrenditen, niedrigem Zinsumfeld sowie schrumpfender Kaufkraft (auch in der Rentenphase) erhalten bzw. inflationsbereinigt gesichert werden können.

 

Seit meinen letzten Kapitalmarktbeobachten Ende Oktober 2022 (also in 18 Monaten) haben der DAX (gelb), internationale Aktien (hellgrün), Gold (blau) und Silber (dunkelgrün) zwischen 25% und 35% an Wertzuwachs erzielt:

Bitcoin und andere Cryptos habe ich nicht eingebaut, weil diese den Chart „gesprengt“ hätten.

Noch Fragen? Dann melden Sie sich unverbindlich bei mir.

 

Dr. Martin Dilg – 0172 / 86 11 97 8

martindilg@t-online.de

Sachverständiger für internationale Kapitalanlagen und Finanzplanung

Diese Ausarbeitung erhebt weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch stellt es eine Handlungsaufforderung
dar. Die zur Verfügung gestellten Informationen sind ebenfalls kein Teil einer Anlageberatung!

Bei persönlichen Fragen stehe ich individuell sehr gerne zur Verfügung.

02.05.2024

Kapitalmarktbeobachtung – Ende April 2024

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Über den Autor

Dr. Johannes Fiala Dr. Johannes Fiala
PhD, MBA, MM

Dr. Johannes Fiala ist seit mehr als 25 Jahren als Jurist und Rechts­anwalt mit eigener Kanzlei in München tätig. Er beschäftigt sich unter anderem intensiv mit den Themen Immobilien­wirtschaft, Finanz­recht sowie Steuer- und Versicherungs­recht. Die zahl­reichen Stationen seines beruf­lichen Werde­gangs ermöglichen es ihm, für seine Mandanten ganz­heitlich beratend und im Streit­fall juristisch tätig zu werden.
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