Martin´s Kapitalmarktbeobachtungen, Ende Oktober 2022

Martin´s Kapitalmarktbeobachtungen

 

Seit meinen letzten Gedanken ist ein halbes Jahr vergangen, das turbulent war und ganz neue ökonomische Szenarien aufzeigte. Einige davon wurden damals bereits thematisiert.

Diesmal habe ich wieder viele Stunden investiert und mit Bildern gearbeitet um die komplexe Gemengelage zu visualisieren.

Mitte April lag die offizielle Inflationsrate bei damals „unglaublichen“ 7,2%. Unglaublich deshalb, weil die Chefstrategen bei der EZB noch im letzten Herbst 2021 gesagt hatten es werde keine Inflation geben und wenn nur „gering“ und „vorübergehend“. Naja nun Ende Oktober 2022 sind wir offiziell bei 10,4% -3 also nicht „gering“. Bei einer Umlaufrendite von ca. 2% werden aktuell ca. 8,4% an Kaufkraft verloren. Wie lange „vorübergehend“ andauern wird unterliegt der Phantasie der Leser, weil offensichtlich die EZB auch hier daneben liegt. Die Realrendite ist so weit im Minus wie noch nie (rechte Grafik).

Und man darf auch nicht vergessen, dass der bis dahin eingetretene Kaufkraftverlust bestehen bleibt, auch wenn die Inflationsrate wieder auf 2-4% zurückkommen sollte. Warum? Weil ja die Verteuerung bereits entstanden ist und das Preisniveau deutlich nach oben gezogen hat. Was wiederum bedeutet, dass eine reduzierte Inflationsrate auf bereits hohem Niveau die Preissteigerung dennoch weitertreibt. Sollte aber die Inflationsrate nicht bald von diesem hohen Niveau abschwenken, dann kann es zu einer galoppierenden und auch zu einer Hyperinflation kommen. Wer sich diesem Thema näher widmen möchte, sollte sich das Buch von Frank Stocker „Die Inflation von 1923 – Wie es zur größten deutschen Geldkatastrophe kam“ mal in Ruhe zu Gemüte führen. Dort ist sehr einfach und anschaulich der Weg und die Ereignisse beschrieben; auch damals kam die Hyperinflation nicht innerhalb von ein paar Monaten.

Ich sage damit nicht, dass ein solches Szenario wieder eintreten wird, aber ich denke es ist zumindest wichtig es bereits jetzt zu thematisieren.

Denn im Zuge dieser enormen Inflationsentwicklung versuchen die Zentralbanken durch Zinssteigerungen entgegenzuwirken. Das wird jedoch nur von kurzem bzw. geringem Erfolg bleiben, weil die Inflation nicht durch Verteuerung der Energie- und Lebensmittelpreise entstanden ist, sondern durch das unkontrollierte Gelddrucken nach der Finanzkrise 2008/2009. Das liegt zwar schon ein paar Jahre zurück, zeigt aber wieder einmal wie wichtig es ist den Verzögerungseffekt bei ökonomischen Betrachtungen nicht aus den Augen zu verlieren. In diesem Fall kann man sich das wie bei einem Tsunami vorstellen, der immer mehr Wasser vor sich herschiebt ohne dass man es bemerkt ehe die Welle auf Land (=Widerstand) trifft. Bisher baut sich aus meiner Sicht die Welle noch auf.

Welche Auswirkungen die Zinssteigerung für Anleihen hat, wird sehr schön im aktuellen „DEGUSSA Marktreport vom 26.10.2022“ beschrieben:

WIE ANLEIHEKURS UND MARKTZINS ZUSAMMENHÄNGEN

Zwischen dem Anleihekurs und der Rendite, die der Anleger mit der Anleihe er-zielt, besteht ein negatives Verhältnis: Steigt der Anleihekurs im Markt, fällt die Rendite; und sinkt der Anleihekurs, steigt die Rendite. Betrachten wir ein Beispiel. Sie kaufen eine zehnjährige Anleihe, die einen jährlichen Coupon von 1 Prozent auf den Nennwert von 100 Euro zahlt. Bei einem Marktzins von 1 Prozent beträgt der Marktpreis der Anleihe 100 Euro. Steigt der Marktzins nachfolgend auf, sagen wir, 2 Prozent, fällt der Marktpreis der Anleihe auf 91,02 Euro – ein (Buch-)Verlust von knapp 9 Prozent. Wenn jedoch der Marktzins auf 4 Prozent steigt, dann handelt die Anleihe nur noch bei 75,67 Euro – ein Kursverlust von fast 25 Prozent. Und wenn der Anleihekurs auf 63,20 Euro sinkt, dann ist der Marktzins auf 6 Pro-zent geklettert – und der Kursverlust beläuft sich auf 36,8 Prozent. Die Höhe des gerade bestehenden Marktzinses spielt weiterhin eine wichtige Rolle für das Aus-maß der Kursveränderungen der Anleihe. Wenn die Marktzinsen beispielsweise bei 1 Prozentpunkt liegen, führt ein Zinsanstieg um 1 Prozentpunkt zu einem viel stärkeren Kursrückgang der Anleihe, als wenn der 1-Prozentpunktanstieg in einem Umfeld erfolgt, in der der Marktzins bei, sagen wir, 3 Prozent liegt. Was den aktuellen Zinsanstieg so dramatisch macht (also zu sehr großen Kursverlusten bei Anleihen führt), ist die Tatsache, dass der starke Zinsanstieg in einem Umfeld extrem niedriger Zinsen erfolgt ist – und Investoren gewaltige (Buch-)Verluste beschert hat, seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht zu beobachtbar waren.

Wie sowas in der Praxis aussieht kann man sehr schön an der 100jährigen österreichischen Staatsanleihe ablesen, die zwölffach überzeichnet 2020 an den Markt gekommen ist und – während die Zinsen weiter gefallen sind – sogar auf einen Kurs von 139 gestiegen ist bevor sie im Juni 2022 ihren Tiefpunkt bei einem Kurs von 39 hatte. Der Chart ist nicht von einer Aktie:

 

Wie sich die Zinswende beim Häuslebauer auswirkt sehen Sie hier:

Dies Grafik zeigt die Entwicklung der Hypothekenzinsen unterschiedlicher Laufzeiten seit 15 Jahren. Man kann sehr schön den enormen Sprung Mitte Januar 2022 sehen, wonach eine 10jährige Hypothek von ca. 1,00% innerhalb weniger Monate auf nun ca. knapp 4% angestiegen ist.

Dies bedeutet bei der Aufnahme einer Hypothek über z.B. 100.000 € eine monatliche Mehrbelastung von 250 €. Klingt nicht viel aber bei 500.000 € sind es dann eben 1.250€.

Hinzu kommt noch eine Tilgungsrate die bei mindestens 3% liegen sollte, damit das Darlehen in einem ordentlichen Zeitraum zurückgezahlt werden kann. Eine Annuität von dann 7% (4% Zins + 3% Tilgung) würde eine monatliche Belastung von gut 2.900 € bedeuten. Vor 15 Jahren wären es monatlich noch ca. 1.660 € gewesen.

Somit kann man sich auch gut vorstellen, dass sehr viele Kaufwillige nicht mehr in der Lage sind eine Immobilie überhaupt zu finanzieren, was gemäß Angebot und Nachfrage deutliche Auswirkungen auf die Immobilienpreise haben wird und bereits nach wenigen Monaten hat.

Aber auch für bereits bestehende Immobilienfinanzierungen wird es in den kommenden Monaten spannend.

Wenn jemand im Juni 2012 ein Immobiliendarlehen über 500.000 € mit einer festen Zinsbindung von 2,96% für 10 Jahre und einer Tilgung von 2% aufgenommen hatte, würde bei gleichbleibendem Zinsniveau (Anschlussfinanzierung etc.) mindestens bis 2043 bis zur Tilgung bei gleichbleibendem Zinssatz benötigen. Der Zinssatz ist aber jetzt schon höher bei knapp 4%.

Diese Hypothek wird nun fällig mit einer Restschuld von ca. 383.000 €. Inzwischen wurden 117.000 € getilgt und ca. 132.000 € an Zinsen bezahlt (bei einem historisch niedrigem Zinsniveau). -3 nach weiteren 10 Jahren stehen immer noch ca. 230.000 € auf der Uhr.

Wie soll sich jemand mit einem „normalen“ Einkommen noch solche Finanzierungen leisten können?

Zu welchem Zinssatz die meisten Hypotheken aufgenommen wurden können Sie der nachfolgenden Grafik entnehmen und dann berechnen, wann es für bestehende Finanzierungen mit Anschlussfinanzierungen Probleme geben wird sofern die Zinsen nicht wieder sinken sollten:

Erschwerend kommt hinzu, dass hierbei noch nicht einmal die ebenfalls sprunghaft angestiegenen Strom- und Heizkosten berücksichtig wurden, was die finanziellen Spielräume weiter deutlich einschränkt.

Nun könnten Sie einwenden „mir doch egal“ ich kaufe mir eh keine Immobilie und bleibe lieber in Miete. „Fair enough“ aber dann sollten Sie sich mal ansehen wie sich Ihre Zahlungseinheit – genannt EURO – seit dessen Einführung entwickelt hat.

Dazu zeige ich Ihnen dann mal diese Grafik:

Seit Einführung hat der EURO immerhin über die ganz normale und von der EZB geplante 2% Inflation (wir stehen jetzt aktuell bei 10,4%) sportlich mehr als 30% an Kaufkraft verloren. Wären Sie ein Schlauli gewesen und hätten Ihre gute alte D-Mark in Gold – anstatt in EURO – getauscht wäre Ihnen ein Kaufkraftverlust von 85% erspart geblieben. Das muss man sich mal überlegen! Auch gegenüber US-Aktien verlor der „so stabile“ EURO 70%!

Nun könnten Sie entgegnen, dass Sie Ihre Güter und Dienstleitungen ja nicht in USD o.ä. bezahlen, sondern in EURO. Ja stimmt, aber wir in Deutschland müssen alle Rohstoffe zur Erstellung von Gütern aus dem Ausland einkaufen und zwar mit einem immer schwächer werdenden EURO (sollte spätestens seit dem Ukraine-Krieg jedem klar sein…). Nimmt man zur Einschätzung dieser Thematik die beiden rohstoffbasierten Währungen des kanadischen Dollar und des australischen Dollar wird man bemerken, dass man hier an internationaler Kaufkraft ebenfalls zwischen 20% und 25% verloren hat.

Übrigens hat der EURO in den letzten 6 Monaten sogar gegenüber dem (sanktionierten) russischen Rubel 20% verloren!

Eine Währung wird nur solange als Zahlungsmittel akzeptiert werden, solange die Wirtschaftsakteure Vertrauen in die jeweilige Währung haben…

Dazu werde ich weiter unten noch mehr hinsichtlich USD ausführen.

Um die aktuell schwierige und unübersichtliche Lage an den Kapitalmärkten – ausgelöst durch starke Inflationssteigerung, deutliche Zinsanhebungen, explodierende Kosten für Strom und Energie sowie politisch extrem unsichere Entwicklungen – einschätzen und bewerten zu können hilft die nachfolgende Grafik:

Demnach gab es seit 1926 nur zwei Jahre, die ähnliche Ergebnisse an den Kapitalmärkten erzielten wie bisher in 2022. Hier werden die Renditen von US-Aktien und US-Anleihen aufgezeigt. In 2022 haben z.B. die US-Aktien ein Minus von ca. 22% erzielt und die US-Anleihen ebenfalls ein Minus von ca. 10%. Dies bedeutet, auch wenn Sie eine tolle Streuung Ihrer Anlagen vorgenommen haben (wie in den Jahren zuvor auch) haben Sie bei einer 50/50 Allokation ein Minus von ca. 16% erreicht. Bei einer Aktienquote von ca. 30% wären es immerhin auch ein Minus von ca. 13,6% gewesen!

Man kann aber auch erkennen, dass die meisten Jahre im rechten oberen Quadranten zu finden sind und dabei die Jahre 1985 und 1995 am besten abgeschnitten haben. Sogar in dem extrem schlechten Aktienjahr 2008 wurde bei einer 30%igen Aktienquote eine Rendite von ca. +2% erzielt. Es macht also durchaus Sinn diversifiziert an den Kapitalmärkten zu investieren und das Geld (Inflation!) nicht nur auf dem Sparbuch liegen zu lassen.

Dabei sollte aber auch bedacht werden, dass bei Anleihen neben den oben beschriebenen Risiken zusätzlich ein „Phänomen“ auftritt das meistens „vergessen“ oder übersehen wird. Man muss nämlich auch die Liquidität – also die Handelbarkeit – der Anleihen berechnen und bewerten. Dies ist deshalb dann wichtig, wenn man die Anleihen verkaufen möchte diese aber niemand abkaufen will. Die nachfolgenden beiden Grafiken zeigen einerseits (links) dass die Liquidität sprunghaft nachgelassen hat und andererseits (rechts) dass die Verluste von Anleihen im Verhältnis zum globalen Bruttosozialprodukt auf einem Nachkriegsniveau angekommen sind.

Vielleicht sollte man – um bei weiteren Zinssteigerungen weitere Kursverluste bei Anleihen zu vermeiden – auf Aktien und Cash (da verliert man – außer Kaufkraftverlust – nichts mehr seitdem der Strafzins wieder vorüber ist) setzen.

Aber dazu sollte man auch wissen dass beispielsweise in den USA (längste Datenreihen vorhanden) immerhin 24% der Unternehmen im Russel 3000 Index (die größten börsennotierten Aktiengesellschaften) als so genannte Zombies (hat nichts mit Halloween zu tun) bezeichnet werden. Damit drückt man aus, dass diese Unternehmen nicht mal mehr so viel Ertrag erwirtschaften um nur den Zinsaufwand für ausstehende Kredite zu begleichen!

Bemerkenswert dabei ist die signifikante Steigerung seit 2020; wobei da die Zinsen noch negativ waren. Was wird geschehen, nachdem die Zinsen – wie vorhin beschrieben – so stark angestiegen sind? Wie lange dauert es noch bis hier die Insolvenzen explodieren?

Der Stand ist fast um 50% höher als zur Dot-Com-Bubble.

Aktuell kommen noch Zusatzbelastungen in Form von Strompreissteigerungen, Heizkostensteigerungen, Zahlungsausfällen, Lohnsteigerungen durch Streiks etc. Hier sind in Deutschland hauptsächlich Kleinbetriebe (Metzger, Bäcker etc.) sowie Mittelstandsunternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern (und damit auch deren Familien) betroffen, die teilweise Weltmarktführer in deren Geschäftszweigen sind.

Aufgrund der oben beschriebenen, enormen künftigen Zusatzkosten sowie der bereits seit Jahren überbordenden Bürokratie schließen diese Betriebe (meist Familienunternehmen seit Jahrzehnten), werden an (Chinesen) verkauft oder verlagern deren Geschäftsbetrieb ins günstigere und unternehmerfreundlichere Ausland (Kanada, USA etc.).

Sobald diese Betriebe nicht mehr existieren, steigt auch die Arbeitslosenzahl und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Selbstverständlich werden Sie dies nicht unmittelbar im kommenden Jahr bemerken, sondern vielmehr in 5-10 Jahren (wenn Sie in Rente gehen möchten; aber dazu mehr im nächsten Bericht).

Aber auch im privaten Bereich zeichnen sich dramatische Situationen ab. Die nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung der Sparquote (rot) und die Konsumentenkredite (blau) für die USA. Während den ersten Lockdowns stieg die Sparquote und die Ausgaben sind enorm gesunken, was sich ab ca. Mitte 2021 komplett umgekehrt hat.

 

Der schwarze Schwan

Neben diesen bekannten und überall nachlesebaren harten Fakten, gibt es aber auch viele nicht offensichtliche und schwer auffindbare Fakten welche die Wirtschaft „aus heiterem Himmel“ treffen und beeinflussen können. Man spricht dann vom „schwarzen Schwan“.

In den vergangenen Monaten habe ich in vielen Gesprächen immer wieder gehört, es gäbe so viele schwarze Schwäne, dass man gar nicht weiß was wirklich kommen wird und auf was man sich vorbereiten müsse. Das stimmt natürlich nicht, denn diese Themen sind ja bereits bekannt und müssen, gemäß der jeweiligen Situationen bewertet und analysiert werden. Dies sind somit keine schwarzen Schwäne.

ABER: ein schwarzer Schwan mit erheblichen kollateralen Beeinträchtigungen könnte die Schweizer Großbank Credit Suisse sein. Vor gerade einmal einer Woche, praktisch übers Wochenende (21.-23.10) veräußerte die Bank in einem Bieterverfahren den Anteil an einer profitablen Fondsplattform für ca. 330 Mio. € um Kapital zu besorgen. Gemäß der Nachrichtenagentur REUTERS benötigt die Bank für eine dringend notwendige Reorganisation ca. 9 Mrd. USD. Auch soll das Hotel Savoy in bester Züricher Lage veräußert werden, wobei ich nicht beurteilen kann wieviel dafür erlöst werden könne.

Viel wichtiger ist für mich die Frage: Wie verzweifelt muss das Direktorium der Credit Suisse sein, solche Maßnahmen zu ergreifen die angesichts des Datenmaterials getrost als „Tropfen auf den heißen Stein“ bezeichnet werden können. Findet die Bank keine Investoren, die zusätzlich enorme Summen reinschiessen wird es wohl ziemlich eng werden.

Nun könnten Sie entgegnen: was interessiert mich diese Schweizer Bank, ich habe mein Konto z.B. bei einer lokalen Sparkasse oder Genossenschaftsbank; und wenn da was passiert, gibt´s ja einen Einlagensicherungsfonds. Stimmt, aber dann vergessen oder vernachlässigen Sie den Dominoeffekt, weil ALLE Großbanken dieser Welt miteinander (mindestens über unzählige Derivate mit astronomischen, das Eigenkapital um ein Vielfaches übersteigende Volumina) verknüpft sind. Wenn Derivate kippen, dann müssen Gelder aufgebracht (Nachschusspflichten) und Margin Calls in Milliarden/Billionenhöhe beglichen werden. Dies würde dann auch unwillkürlich eine Deutsche Bank treffen, die wiederum astronomische Derivate in den Büchern stehen hat usw.

Dies betrifft global agierende Großbanken, aber der vorhin angesprochene Einlagensicherungsfonds ist ja auch nur eine „Ruhigstellungseinrichtung“, für singuläre, regional auftretende Zahlungsschwierigkeiten Ihrer Sparkasse oder Genobank, bei Schieflagen mit Kreditgeschäften. Aber der Einlagensicherungsfonds ist nicht für überregionale, europaweite oder gar globale Bankpleiten ausgerichtet. Dann bekommen Sie nämlich auch nichts mehr von Ihren Guthaben. Übrigens sind Ihre Einlagen bei der Bank nicht Ihre Guthaben, sondern ein Kredit an die jeweilige Bank; haben Sie dafür eigentlich irgendwelche Sicherheiten erhalten analog einer Kreditaufnahme durch Sie bei der Bank? Das ist kein Spaß oder irgendeine Ironie meinerseits!

 

Vertrauen in Währungen und Märkte

Wie Sie vielleicht wissen, verfolge ich seit fast 4 Jahrzehnten die Kapitalmärkte und habe immer wieder Informationen und Menschen gefunden, die spontan nicht immer auffindbar und somit analysierbar sind. Einer dieser Menschen ist Robert Kiyosaki, der in seinem Leben auch viele Situationen erlebt hat, die für andere Menschen undenkbar wären. Vor vier Wochen habe ich dieses Video gefunden, in dem er mit Andy Schectman einen absoluten „Kapitalmarktveteranen“ interviewt:

4 Signs the U.S. Dollar May Be Toast – Robert Kiyosaki, Kim Kiyosaki, Andy Schectman – YouTube

In diesem englischen Interview waren so viele Aha-Effekte, dass ich mich entschlossen habe diese Inhalte stichpunktartig für Sie aufzuschreiben, weil sich die Welt gerade beginnt zu verschieben:

> Warum ist USD die Weltreservewährung 4 Kissinger mit Saudis: wir schützen Euch,

dafür wird Öl global in USD fakturiert

> Was machen die Saudis jetzt gerade und warum? 4 BRICS anschließen

> Was geschah in Afghanistan?

  • Innerhalb kürzester Zeit abgezogen
  • Vertraute zurückgelassen
  • Das wäre früher nie passiert
  • Global daher kein Vertrauen mehr in die USA 4 und auch nicht mehr in den

USD

> Neben Russland verkaufen nun auch Nigeria (!) und andere Staaten deren Öl an

China und erhalten dafür Yuan Bonds die sofort in Gold konvertierbar sind

> In den letzten drei Jahren wurden so viele USD gedruckt wie insgesamt in allen

Jahren zuvor

> Das Geld floss in Assets (Aktien, Anleihen, Immobilien, Kunst etc.)

  • Vermögensblasen haben sich gebildet 4 Crack Up Boom (Austrians)
  • Diese Geldschwemme in Kombination mit niedrigen Zinsen ergeben eine stark ansteigende Inflation

> FED (Powell) möchte jedoch nicht als derjenige in die Geschichtsbücher eingehen, der den Amis den Wohlstand zerstört hat

  • also werden sie die Zinsen in den USA nur langsam anheben
  • Dies bedeutet real negative Zinsen bei 9% Inflation und 2,5% Zins ergibt dies einen Realzins -6,5%.
  • Nach der Berechnungsweise aus den 80er Jahren wäre dies aber eine Inflationsrate von ca. 16,6% 4 also wurde hier durch die permanenten Veränderungen des Warenkorbs ebenfalls eine illusionierte Welt geschaffen > Auch Sanktionen gegen Russland treiben andere Länder aus dem USD, weil sie befürchten irgendwann die nächste Zielscheibe zu sein> 85% der globalen Bevölkerung treiben trotz Sanktionen immer noch Handel mit Russland

> Russland, Indien, Iran sowie Türkei, Ägypten und Saudis schließen sich den BRICS an -3 Weg vom Westen

> Die BIZ (Zentralbank der Zentralbanken) hat das Gold als Banksicherheit auf Sicherheitsstufe 1 angehoben

> China hat in den ersten 7 Monaten für 100 Mrd. US Bonds verkauft, um sich von den USA wirtschaftlich unabhängiger zu machen; was nicht heißt dass sie keinen Handel mehr mit den USA betrieben, sondern einfach die bestehenden Anlagen sowie künftigen Erlöse aus den Geschäftsbeziehungen nicht mehr in USD anlegen

> Die 147 Länder an der „Neuen Seidenstraße“ dominieren die Zukunft

> Bereits 2015 hat Russland ein eigenes Zahlungsinformationssystem (Mir) eingeführt um unabhängig vom westlichen SWIFT-Verfahren zu sein; auch China verfügt mit „Union Pay“ über ein extra System, weshalb Sanktionen an dieser Stelle ebenfalls nichts bringen

> Saudis werden künftig von den Russen und China beschützt (My enemie´s enemy is my friend)

  • Übers Wochenende (wie die Aufhebung der Differenzbesteuerung bei Silbermünzen vor zwei Wochen in Deutschland) werden sich diese Länder einigen, neben dem USD hauptsächlich in anderen (Gold gedeckten?) Währungen das Öl zu fakturieren
  • alle verkaufen USD
  • Hyperinflation
  • Zinsen steigen
  • Währungen, Aktien, Anleihen, Immobilien verlieren dramatisch an Wert
  • Außer rohstoffbasierte Währungen (wie CAD, AUD etc.)

Es könnte sein, dass der langsame Niedergang des USD damit eingeläutet wurde.

 

Noch ein Wort zur Situation bei den physischen Edelmetallen

Viele Anleger überlegen, ob sie deren Gold- und Silberbarren und Münzen verkaufen sollen, weil man damit ja nichts „verdient“ habe. Die Frage ist jedoch was man unter „verdienen“ versteht.

Zinsen gabs keine, Dividenden nur mit erheblichen Schwankungen der zugrundeliegenden Aktien, Mieten konnten auch nicht mit den enormen Wertsteigerungen der Immobilien mithalten. Damit sind die so genannten Cashflow Anlagen ziemlich ausgelutscht.

Direkte Unternehmensbeteiligungen und der breiten Anlegermasse nicht zugängliche Anlagen werden hier bewusst nicht bewertet, weil nicht investierbar.

Anlagen in physischem Gold oder Silber haben jedoch in Euro schöne Erträge eingebracht, aber auch hier musste man ziemliche Schwankungen in Kauf nehmen.

Aus vielen Informationen und Publikationen sticht diese Ausarbeitung von letzter Woche hervor

COMEX Deliverable Silver far less than imagined as 50% of ‘Eligible’ is not Available (bullionstar.com)

Hier wird sehr genau anhand offizieller Daten der zugrunde liegenden, physische Edelmetalle handelnden Börsen „COMEX“ (USA) und „LBMA“ (London) analysiert wo der Unterschied zwischen den Preisen physischer Edelmetalle und „Papieredelmetallen“ liegt.

Wie Sie wissen gibt es zur Preisfeststellung entsprechende Börsen. Bei Edelmetallen muss jedoch unterschieden werden, was auf dem Papier (Spot-Preis) gehandelt und bewertet wird sowie den Preisen für Edelmetalle mit physischer Lieferung.

Dies kann an den beiden Grafiken für Gold und Silber sehr schön aufgezeigt werden:

 

Die dunklen Linien sind die Preise für Münzen und die hellen Linien die Preise für Barren. Wenn das Aufgeld hoch ist, bedeutet dies, dass die Lieferung schwierig oder fast unmöglich ist, weil der Preis (aus Angebot und Nachfrage) schwankt. Speziell bei Silber zeichnet sich ab, dass eine physische Lieferung erheblichen Zusatzaufwand bedeutet.

Der enorme Anstieg bei Silbermünzen (dunkle Linie) hängt auch damit zusammen, dass das Bundesamt für Finanzen Anfang Oktober übers Wochenende ohne Vorankündigung beschlossen hat, die Differenzbesteuerung für Münzen von außerhalb der EU (also Canadian Maple Leaf etc.) wegfallen zu lassen; und zwar rückwirkend. Da bin ich mal auf die rechtliche Würdigung gespannt, zeigt aber wie verzweifelt die Bundesregierung versucht Gelder einzusammeln…. Sowas kannte man in der jüngsten Vergangenheit nur aus der Griechenlandkrise, als über Nacht/Wochenende (Spar)guthaben enteignet wurden und man auch in Zypern nur noch 20 € „seines Geldes“ (wie oben beschrieben ein Kredit an das Geldinstitut…) pro Tag am Geldautomaten abheben konnte.

Bin mal gespannt was man sich hier angesichts der jüngsten Schuldenorgien noch einfallen lassen wird.

Neben den deutlichen Sprüngen im Aufgeld kommt auch noch hinzu, dass Gold und speziell Silber (als Industriemetall) im physischen Eigentum enorm an Bedeutung gewonnen hat. Dies wird durch die folgenden Grafiken von der COMEX eindrücklich aufgezeigt

Hier ist im oberen Teil sehr schön ablesbar wie sich der (Papier)Silberpreis im Mai/Juni 2020 von deutlich unter 15 USD pro Unze auf annähernd 30 USD pro Unze fast verdoppelt hatte und sich seitdem mit Schwankungen der 20 USD-Marke angenähert hat.

Viel interessanter ist jedoch die untere Grafik aus der man ablesen kann, dass mit dem Papiersilbersprung auch die physische Lagerung in der COMEX angesprungen war, aber dann ab Februar 2021 von eingelagerten 150 Millionen Silberunzen auf nur noch 38 Millionen abgeschmolzen ist. Dies bedeutet, dass sich Anleger deren (Papier)Silberbestände in wahre Barren und Münzen auszahlen und in Verwahrorte (kann ich Ideen geben) übertragen ließen. Da ist nicht mehr viel physisches Silber vorhanden!

Aktuell hat die COMEX aber noch 265 Millionen Unzen Silber auf dem Papier in den Büchern als lieferbar stehen, was ja offenbar nicht mehr der Fall ist. Also rechnen sie nun wie die Banken mit einem gewissen Bodensatz (50%) der immer vorhanden ist und nicht geliefert werden muss. Das ist natürlich naiv und dieser Sch(l)uss kann die COMEX in die Pleite führen.

„Registered Silver“ ist mit einem Lieferschein (Warrant) versehen, „Eligible Silver“ nicht…daher war das für die Öffentlichkeit die „stille“ Reserve, die immer eine möglichst große Reserve darstellen sollte, damit keiner auf falsche Gedanken kommt.! Dabei sind aber rund 50 % dieser Reserve nicht frei verfügbar…und bei den dramatischen Abflüssen der letzten 12 Monate wird es jetzt spannend.

 

Wie gefährlich ein Investment in Edelmetallfonds (meist ETFs) mit dem Anspruch auf Lieferung physischer Edelmetalle sein kann verdeutlicht folgende Übersicht. Demnach verfügt der größte Silber ETF (iShares Silver Trust) über 486 Millionen Silberunzen, wovon 103 Millionen bei J.P.Morgan in New York (COMEX) angegeben sind. ABER J.P.Morgan hat bei der Comex für alle verfügbaren Silberunzen nur 143 Millionen angegeben. Das würde bedeuten, dass bei einer kompletten Lieferung (an die Kunden des Silver Trust) der bei J.P.Morgan angegebenen Unzen nur noch ca. 40 Millionen für alle übrigen Lieferungen für Kunden von J.P.Morgan zur Verfügung stehen würden.

Also wenn die Kunden von nur einem Silber ETF deren Ansprüche in physischem Silber ausgeliefert haben möchten, wären bereits ca. 40% des Silbers weg und andere hätten noch gar nicht nachgefragt. Hier finden Sie den kompletten Artikel:

COMEX Deliverable Silver far less than imagined as 50% of ‘Eligible’ is not Available (bullionstar.com)

Wie lange es jedoch noch dauern wird, bis sich der Papierpreis (Spot) dem Preis tatsächlich vorhandener Edelmetalle anpasst kann ich nicht sagen. Aber wenn man interessiert ist, dort seine Gelder zu diversifizieren, sollte der Zeitpunkt nicht schlecht sein. Funktioniert auch mit Sparplänen!

Martin Dilg – 0172 / 86 11 97 8

Diese Ausarbeitung erhebt weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch stellt es eine Handlungsaufforderung
dar. Die zur Verfügung gestellten Informationen sind ebenfalls kein Teil einer Anlageberatung!

Bei persönlichen Fragen stehe ich individuell sehr gerne zur Verfügung.

31.10.2022

Kapitalmarktbeobachtung – Ende Oktober 2022

 

 

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Über den Autor

Dr. Johannes Fiala Dr. Johannes Fiala
PhD, MBA, MM

Dr. Johannes Fiala ist seit mehr als 25 Jahren als Jurist und Rechts­anwalt mit eigener Kanzlei in München tätig. Er beschäftigt sich unter anderem intensiv mit den Themen Immobilien­wirtschaft, Finanz­recht sowie Steuer- und Versicherungs­recht. Die zahl­reichen Stationen seines beruf­lichen Werde­gangs ermöglichen es ihm, für seine Mandanten ganz­heitlich beratend und im Streit­fall juristisch tätig zu werden.
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