Bundesfinanzministerium: Versicherungsvermittler sichern Nullrendite bei Lebensversicherungen

– Warum die Zeiten müheloser Geldvermehrung über Lebensversicherungen längst vorbei sind –

 

Provisionen der Vermittler sinken

Das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) senkt nicht nur den Garantiezins für Lebensversicherungen von 1,75 % auf nur noch 1,25 % ab 2015, sondern auch die erlaubte Einrechnung der Abschlusskosten durch Zillmerung  von 4 % auf 2,5 % der planmäßigen  Beitragssumme bis Vertragsablauf. Damit sollen zum einen die Garantieleistungen der Versicherungsverträge niedriger
und damit sicherer werden, zum anderen soll auf die Senkung der Provisionen an Vermittler eingewirkt werden, um die Lebensversicherungen dann wieder ein Stück attraktiver für die
Versicherten zu gestalten. Erste Vermittler haben bereits von Versicherern Nachträge erhalten, die die Provisionen ab 2015 vermindern.

 

Seither sind Versicherungsvermittler und Versicherungsmakler in heller Aufregung, denn künftig sollen die Provisionen weniger einmalig, sondern vermehrt über die gesamte Laufzeit
gestreckt gezahlt werden, mit Haftung bei Vertragskündigung bis zum Ende.

 

Wachsende Aussichten auf Negativrenditen in der Lebensversicherung

Am 05.06.2014 hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen auf 0,15% gesenkt, und am 04.09.2014 auf nur noch 0,05 % – der Zins für Einlagen bei der EZB liegt seitdem sogar mit 0,2 Prozentpunkten im negativen Bereich. Die EZB konnte auch damit keine Erleichterung der Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen bewirken, sondern allenfalls eine Profitsteigerung der Kreditinstitute über eine zunehmende Kreditmarge.

Seit Einführung des ECU ab 1998 sinken die Kapitalmarktzinsen, so dass seit Jahren Versicherte vielfach nicht einmal mehr die Summe der bezahlten Beiträge bei Kündigung oder Ablauf der Lebensversicherung zurück erhalten. Riesterrenten werden ab 2015 oft nicht mehr an Versicherte über Alter 50 angeboten, weil viele Versicherer nicht mehr in de Lage sind, zum Rentenbeginn mit 65 wenigstens noch die eingezahlten Beiträge zu garantieren – bei 2 % Inflation selbst das ein realer Verlust von rund 15 %.

 

Dabei geben sich Versicherungsunternehmen die größte Mühe, über „innovative“ Finanzprodukte höhere Renditen zu erwirtschaften, nicht selten nach dem Motto „Wenn alles, was man kennt, nicht funktioniert, dann versuchen wir mal was anderes, was wir noch nicht kennen“. So kommt es zu Investments etwa in Private-Equity auch Offshore, gewerbliche Immobilienkredite auch verbrieft, sowie Schwellenländeranleihen. Spötter vergleichen dies mit der Chance, bei fallendem Kirchensteueraufkommen und nicht sehr zu steigerndem Interesse am Kauf von Ablassbriefen es mal mit Seminarangeboten an CFOs und CIOs für Gebetskurse zur Renditesteigerung – mit einem Flyer zu bewerben “Auch Jesus war nicht arm und hatte einen Vermögensverwalter” oder “Reichtum schändet nicht” – zu versuchen.

 

EZB-Nullzins beflügelt Staatsverschuldung

Die Politik niedriger Zinsen der EZB fördert die Anlage in ausländischen Staatsanleihen, die bis zu mehr als 4% abwerfen könnten, wenn die Wette aufgeht, dass zumindest gewisse Kapitalanleger politisch gewollt wegen weiterhin sicherer „Rettungspakete“ keinen Kreditausfall befürchten müssten. Ein entsprechendes Risikokapital müssen Banken und Versicherungen bei Wetten auf Staatsanleihen bis heute nicht vorhalten, was der Volksmund als „Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der Verluste“ beschreibt. Den Lebensversicherungskunden ist selten bewusst, dass sich das durch ihre Prämienzahlung beim Versicherer gebildete Vermögen abermals jederzeit verringern kann, beispielsweise um eine Insolvenz des Versicherungsunternehmens zu vermeiden. Diesem wachsenden Risiko begegnet der Gesetzgeber, indem der Versicherungskunde künftig nicht mehr an den Kursgewinnen der festverzinslichen Wertpapiere im Anlagevermögen beteiligt wird – bei einer Ablaufleistung von 100.000 EUR wurden so ganz rasch bis zu mehr als 5.000 EUR gestrichen.

 

Die Immobilie als Alternative?

Nur scheinbare Schnäppchen gibt es dort, wo einst blühende Landschaften erwartet wurden, anstatt der wiederholten Jahrhundertfluten der letzten Dekade. Arbeitslosigkeit und demographischer Wandel je nach Landschaft, aber auch prekäre Arbeit und wachsende Altersarmut führen zu sinkenden Preisen bei Kauf und Miete. Gleichwohl kann das sachwertige Investment auf Kreditbasis dazu beitragen, dass künftige Einnahmen bereits heute vom künftigen Geldwert in einen künftigen Sachwert getauscht werden. Dies wäre eine gewisse Absicherung gegen Inflation, jedoch nicht ohne Transaktionskosten.

 

Alternative Investments für Sparer?

Eine klassische Frage an den Bank(st)er lautet „Wie komme ich mit Ihrer Beratung zu einem kleinen Vermögen“ – und die zutreffende Antwort müsste vielfach lauten „Indem Sie bei mir mit einem möglichst großen Vermögen einsteigen“. Gegenwärtig ist absehbar, dass sich die notwendigen Sparleistungen für eine kapitalgedeckte Altersversorgung bis zu mehr als verdoppelt haben werden, denn was an Zinsen und Zinseszinsen auf das Kapital fehlt, muss der Vorsorgesparer nach Sparstrumpfmethode aus eigenem Einkommen zurücklegen, um später die gleiche Rente zu erhalten.

 

Etwa in Griechenland und Spanien tendiert die durchschnittliche Sparquote seit Jahren bei einem zunehmenden Anteil der Bevölkerung gegen null. Bei den Ärmsten verändern Wirtschaftskrise bzw. Arbeitslosigkeit das Konsumverhalten, fördern Recycling, Tauschnetzwerke, Gartenbau- und Nachbarschaftshilfe, Konzentration auf lokale Erzeugnisse sowie Projekte zur Energieeinsparung.

 

Auch hierzulande bieten sich seit Jahrzehnten dem entsprechende Investmentmöglichkeiten, etwa bei Solaranlagen auf eigenen oder kommunalen Gebäuden, und gerade nicht bei dubiosen Windparkinitiatoren. Als Alternative zu inzwischen in Abwicklung befindlichen fehlkalkulierten offenen Immobilienfonds, gibt es bundesweit tausende Genossenschaften als Betreiber von beispielsweise Kreditinstituten, Brauereien, Wohnbaugesellschaften. Selbst wenn man dort bis zu mehr als 4% Gewinnbeteiligung vor und nach der Finanzkrise beobachten konnte, ist die Auswahl und Beobachtung dieser Investments weder mühelos noch honorarfrei in der Beratung. Bisweilen werden insbesondere über Vermittler auch dubiose Beteiligungen angeboten, etwa mit eingebauter Nachschusspflicht oder fraglichen Zukunftsaussichten.

 

Private Finanzierung und Leibrenten als Alternative

Die niedrigen Renditen von privaten Rentenversicherungen verhelfen auch Angeboten des Mittelstands zur Unternehmensfinanzierung von Privat zu erhöhter Beliebtheit, die sich deutlich besser rechnen. Hierbei werden vom Mittelstand oder von Bauherren sogar lebenslange Leibrenten inklusive Hinterbliebenenversorgung und Inflationsanpassung angeboten. Diese rechnen sich deutlich besser – zumal für Männer, weil hier keine geschlechtseinheitlichen Rentenhöhen vorgeschrieben sind, die die Versichererrenten seit 2013 von der EU verlangt weiter abgesenkt haben.

 

Auch manche gemeinnützige oder gewerbliche Stiftung – und damit ist es auch durch geeignete Gestaltung für Finanzierungen kommunaler Projekte geeignet – hat dies im Programm. Mit der Sicherheit, dass bei früherem Tod nicht verbrauchte Renten wenigstens für einen beabsichtigten guten Zweck verwendet werden – und nicht den Gewinn  eines Versicherers steigern. Obwohl diese Leibrenten nur mit dem niedrigen Ertragsanteil zu versteuern ist, kann die gemeinnützige Stiftung über einen Teil der Einzahlung sogar eine steuerlich abzugsfähige Spendenbescheinigung ausstellen – wenn man will, wird auch der eigene Name oder der von anderen Lieben verewigt. Statt einer Zulassung als Versicherungsvermittler oder als Finanzberater reicht dafür z.B. eine Gewerbeanmeldung als Fundraiser für Stiftungen, wenig mehr als dafür, wenn man sich mit der Sammelbüchse für den örtlichen Tierschutzverein in die Fußgängerzone stellt.

 

von Dr. Johannes Fiala und Dipl.-Math. Peter A. Schramm

 

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Über den Autor

Dr. Johannes Fiala Dr. Johannes Fiala

Dr. Johannes Fiala ist seit mehr als 25 Jahren als Jurist und Rechts­anwalt mit eigener Kanzlei in München tätig. Er beschäftigt sich unter anderem intensiv mit den Themen Immobilien­wirtschaft, Finanz­recht sowie Steuer- und Versicherungs­recht. Die zahl­reichen Stationen seines beruf­lichen Werde­gangs ermöglichen es ihm, für seine Mandanten ganz­heitlich beratend und im Streit­fall juristisch tätig zu werden.
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